Wirken von Samuel Locke und Charles Hutin
Helga Heinze, Krauschwitz, 2026
Der im Jahre 1766 hier wütende Stadtbrand zerstörte nicht nur alle Bürgerhäuser, sondern auch die Wendische und die Deutsche Kirche, letztere auch Stadtkirche genannt.
Für den Wiederaufbau Muskaus fertigte Samuel Locke (1710-1793), der in Dresden als Akzise-Baudirektor mit Carl Friedrich Pöppelmann zusammenarbeitete, einen Plan an. Die 14 dazu vorgeschlagenen Veränderungen beinhalteten Begradigungen der Häuserzeilen sowie Verbreiterungen der Gassen und zielten neben einer modernen Architektur auf mehr Verkehrs- und Brandsicherheit.



Stadtkirche bzw. Deutsche Kirche, Lithografie 1846


Titel und Unterschrift im Entwurf für den Altar der Stadtkirche
„S. Locke, A. B. Direktor inv.“
Nachdem die finanziellen Mittel sowohl durch den Standesherrn Johann Alexander von Callenberg als auch durch kirchliche und private Kollekten zusammengekommen waren, begann der Wiederaufbau der Stadtkirche, der im Jahre 1781 seine Vollendung fand.1 Bei der Vorbereitung dazu war wiederum Samuel Locke beteiligt, denn er fertigte Zeichnungen für deren Innenausbau an.2 Annähernd so, wie sich Locke die Umrahmung des großen Altarblattes vorstellte, kam sie auch zur Ausführung. Für das Gemälde selbst engagierte die Kirche einen damals bekannten Künstler. Charles François Hutin, geboren am 4. Juli 1715 in Paris, von Beruf Maler und Bildhauer, folgte 1748 dem Ruf aus Dresden, wo er nach Gründung der dortigen Kunstakademie deren erster Direktor wurde. Nach Sachsen begleitete ihn sein jüngerer Bruder Pierre (Peter), Bildhauer und Kupferstecher.3 Charles arbeitete nicht nur für den Dresdener Hof, sondern auch, wie es aus den Dokumenten hervorgeht, für die kleine Residenzstadt Muskau.


Altar der Muskauer Stadtkirche
Entwurf von Samuel Locke, vor 1781 Altar, Fotoausschnitt vor 1945
Als erster beschreibt der Muskauer Archidiakon Christian Gottlieb Langner 1788 den Altar „mit einem vortrefflichen vom ehemaligen Hofmaler Hrn. Huttin gemahlten Altarblatt, welches die Erscheinung der Weiber bey dem geöffneten Grabe Jesu vorstellt.“4
Eine spätere Chronik berichtet über das Altarbild zwischen zwei korinthischen Säulen. „Darüber erhebt sich eine die Herrlichkeit Gottes symbolisch darstellende Sonne mit langen Strahlenbündeln, inmitten das Auge Gottes, umgeben von einem Wolkenkranze, aus dem Engelsköpfe herniederschauen. Zwei betende und nach oben weisende Engel stehen zu beiden Seiten auf dem Hauptsims.“5
Ob Charles Hutin das Altarbild dieser Größe im Dresdener Atelier oder hier vor Ort gemalt hat, wissen wir nicht. Sein Bruder Pierre konnte ihn dabei nicht unterstützten, denn er starb am 22. April 1762 in Muskau, als der Vorgängerkirchenbau noch bestanden hatte. Im Totenregister ist er unter Nr. 17 als „Herr Hutting ein Frantzose“ vermerkt.6 Dass es sich dabei um Pierre handeln muss, ergibt sich auch aus anderen Quellen, die allerging als Todesjahr 1763 angeben. Was ihn zu dieser Zeit nach Muskau führte, ist unbekannt. Sein Bruder Charles starb am 29. Juli 1776 in Dresden.7

Quellen:
1 Oberlausitzer Gemeinde-ABC, „Die Kirche“ – Görlitzer Ausgabe, Nr. 25. Januar 1952.
2 Staatsfilialarchiv Bautzen, 50175, Standesherrschaft Muskau, Nr. 3302.
3 wikipedia.de Charles Hutin.
4 Langner, Christian Gottlieb: Aktenmäßiger Bericht von der Grundlegung, dem Bau und der Einweihung der wendischen St. Andreas-Kirche zu Muskau in der Oberlausitz, Bautzen 1788, S. 18.
5 Chronik von Muskau, Muskauer Anzeiger 1889.
6 Evangelische Kirchengemeinde Bad Muskau-Gablenz, MUSKAUISCHES TODTEN REGISTER 1760 – 1799.
7 wikipedia.de Charles Hutin.
