Der Revierförster Friedrich Wilhelm Klich
Holger Klein, Helga Heinze, Bad Muskau/Krauschwitz 2026
Mehrere Neuzugänge aus dem Nachlass des Revierförsters Friedrich Wilhelm Klich (1833 – 1920) bewegten uns dazu, seine Person näher zu vorzustellen. Schließlich lagen uns ein gezeichnetes Portrait sowie drei Gruppenfotos vor, auf denen er zusammen mit seinen Berufskollegen aufgenommen ist. Besonders interessant und gleichzeitig mit dem hiesigen Töpferhandwerk in Verbindung stehend, kamen wir in den Besitz von zwei Tabakdosen, deren Deckel leider verlorengegangen sind. Die Dosen haben eine Höhe von 15,5 bzw. 16,5 cm. Hierbei handelt es sich um handgearbeitete Steinzeuggefäße aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie sind speziell für den Förster Wilhelm Klich hergestellt worden, denn sie tragen seine Initialen „W.K.“ bzw. seinen Namen. Der Topf mit den Auflagen zeigt einen unter einem Baum ruhenden Jäger mit Flinte. Drei andere Auflagen bestehen aus eng umschlungenen Paaren – vielleicht Adam und Eva. Der zweite Topf ist als Baumstamm mit zwei astförmigen Handhaben gestaltet. Nicht zu klären ist, ob es Muskauer oder Erzeugnisse aus dem nahen Töpferort Tschöpeln (später Töpferstedt, heute Czaple/PL) sind. Letzterer befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Klichs einstigem Forstrevier. Dass es sich grundsätzlich um regionale Produktion handelt, beweist ein dritter Tabaktopf aus der städtischen Sammlung mit der gleichen Auflage des ruhenden Jägers aus dem Jahr 1860. Er besitzt zwar einen Deckel, jedoch fehlt die einst darauf als Handhabe angebrachte vierbeinige Figur, von der nur noch Fehlstellen in der Glasur zu erkennen sind. Dieser Topf gehörte ebenfalls einem Weidmann. Die Initialen „F.M.“ weisen mutmaßlich auf den „Prinzlichen Förster in Sagar Bruch“ Christian Friedrich Mühle (1822 – 1875) hin.


Revierförster Friedrich Wilhelm Klich 1833-1920
Revier Wussina, Foto Karl Wosch, 1910


Förster vor der Oberförsterei Muskau,
4. v. l. Wilhelm Klich, sitzend links
Forstmeister Oswin Schmidt, rechts
Oberforstmeister Paul Riebel, um 1900
Gemütliche Bierrunde, links Wilhelm Klich, um 1900



Vorder- und Rückseite des Tabaktopfes mit Auflagen
Tabaktopf als Baumstamm


Vorder- und Rückseite des Tabaktopfes mit Beschriftung „Förster Kliech“



Tabakdose mit Auflagen aus dem ehemaligen Museumsbestand, 1860
In den schon zusammengetragenen Informationen der Muskauer Heimatforscher Oskar Förster sowie Hans Schmidt fällt auf, dass der Revierförster Wilhelm Klich auch unter den Namen Kliesch/Klisch/Kliech Erwähnung findet, obwohl es sich um ein und dieselbe Person handelte. Hierbei könnte es sich um einen Übermittlungsfehler in der Schreibweise oder aber um eine sich später eingeschliffenen Vereinfachung des Namens handeln, der dann bei seinem Sohn nur noch als Kliesch vorkommt.
Im Kirchenbuch befinden sich zu Revierförster Wilhelm Klich drei Eintragungen. Bei allen Eintragungen lautet der Name Klich, ebenso wie die Unterschrift auf seinem Lebenslauf in den Unterlagen der Standesherrschaft.


Muskauer Anzeiger, 22. September 1877
Unterschrift von Revierförster Klich 1883
Kommen wir nun zur Person Wilhelm Klichs. Er war am 26. Juni 1833 als Sohn des Wirtschaftssekretärs in Kutschlau (heute Chociule/PL) im Kreis Züllichau geboren. Nach dem Besuch der Elementarschule erhielt er ab 1843 gemeinsam mit den Söhnen von Amtmann Ackermann – Besitzer des Ritterguts Kutschlau – Unterricht von einem Hauslehrer. 1847 bis 1851 erlernte er das Forstfach beim Forstverwalter Ulbrich in den Revieren Schönfeld-Sawische (heute Rokitnica-Zawisze/PL). Danach diente er vier Jahre als Jäger im Brandenburgischen Jäger-Bataillon No. 3 in Lübben. Am 10. Oktober 1855 begann er in der Standesherrschaft Muskau als Forstgehilfe im Revier Jagdschloss.1 Ab 1861 arbeitete er zwei Jahre im Revier Mulkwitz, wo er, inzwischen zum Unterförster befördert, zwölf Jahre verblieb. Ab dem 1. April 1873 erhielt er die Revierförsterstelle in Lugknitz (heute Łęknica/Pl) mit Sitz im Forsthaus Braunsdorf (heute Bronowice/PL).2 Somit diente Friedrich Wilhelm Klich 50 Jahre als Prinzlich Niederländischer sowie Gräflich Arnimscher Revierförster im Revier Braunsdorf. Für das Abrechnungsjahr 1897/98 zahlte Wilhelm Klich 31 Mark Einkommenssteuer, was die Hälfte des Einkommens des Oberförsters Friedrich Blüthgen in Skerbersdorf darstellte.
In Erinnerung an eine alte hölzerne Säule – genannt „Betsaule“ – im gleichnamigen Ort, errichtete Wilhelm Klich einen Findling mit der Inschrift: „Betsaule gesetzt 1748, versetzt 1904. Rf. Klich.“ Nachdem dieser Stein mehrmals seinen Platz wechselte, verschwand er nach Kriegsende 1945 gänzlich. 2001 wurde er von damaligen Bewohnern von Neu-Tschöpeln wiederentdeckt und am ehemaligen Forsthaus in heute Nowe Czaple wiedererrichtet.
Wilhelm Klich liebte das ihm zugeteilte Revier Wussina mit der wild-romantischen Natur in der Neißeaue. Nach seiner Pensionierung 1905 übernahm Sohn Konrad seine Stelle. 1930 betrug das Revier Braunsdorf zusammen mit dem Revier Wussina 716 ha. Er bewohnte das Forsthaus im Unterdorf in Sagar. Am 5. September 1920 starb der „Revierförster a.D. Wilhelm Klich“ im hohen Alter von 87 Jahren in Sagar und wurde drei Tage später „feierlich beerdigt“.3
Quellen:
1 Oskar Förster: Revierförster a.D. Wilhelm Kliesch, Braunsdorf/Betsaule/Sagar 1920.
2 Lebensläufe der Forstangestellten 1883.
3 Evangelische Gesamtkirchengemeinde Bad Muskau-Gablenz, Sterberegister Muskau-Land 1876-1926
