Muskauer Badegäste und Fremde 1872 bis 1879 

Erkenntnisse aus Muskauer Anzeigern und anderen Quellen 


 

Regina Barufke, Bad Muskau, 2025

Zwei emsige Forscher der regionalen Geschichte, Helga Heinze und Holger Klein, suchten 2024 das Archiv der Universitätsbibliothek Wrocław/ Breslau auf, da sie wussten, dass es dort umfangreiche Bestände des Muskauer Anzeigers aus dem 19. Jahrhundert gibt. Zwei Tage lang wurde fotografiert und beide kamen glücklich mit Fotodateien von 13.000 Seiten aus 27 Jahrgängen des Anzeigers nach Bad Muskau zurück. Darunter Anzeigen von Gaststätten und Gewerbetreibenden, Muskauer Geschichten und Bekanntmachungen zu „Badegästen und Fremden“, die hier Quartier genommen hatten. 

Nach der Einweihung des „Hermannsbades“ am 23. Juni 1823 eröffnete das Fürstenpaar Lucie und Hermann von Pückler-Muskau die erste Badesaison. 

Unter Nutzung der von Dr. Georg Karl August Kleemann (? – 1843) angepriesenen eisenhaltigen Quellen, dem Umbau von Gebäuden des Alaunwerkes zu Kurzwecken, dem Bau von Pavillons und zwei neuen Logierhäusern konnten die Gäste in Muskau kuren. Dieses Terrain befand sich östlich des noch bis 1864 arbeitenden Alaunwerkes, das möglicherweise störend für die Kurgäste war. Zumindest wird die Geruchsbelästigung erwähnt. 1859 beschreibt Ludwig Löffler, der mit dem Postwagen von Berlin nach dem Spreewald und weiter über Branitz und Muskau unterwegs war, den Park und auch „das Bad, das in dem am Morgen von uns nicht besuchten Theile des Parks und nahe dem Alaunwerk [liegt], dessen widrige Dämpfe gewiß oft, wie an jenem Tage, eine arge Belästigung der in der Nähe befindlichen Geruchsorgane werden.“ 1

Alaunberge, Lithographie von Ludwig Eduard Lütke, 1825

Städtische Museumssammlung.

Messtischblatt 1845 mit Bad, Alaunbergen und Gradierwerk            

Alaunwerk, Zustand um 1875

Beschreibung aus dem Jahr 1859 in „Chronik zu Muskau“, Muskauer Anzeiger, 1902.

Liest man Berichte von Badegästen, gibt es aber im Gegensatz dazu, viel Lob für die neu geschaffene Einrichtung. Einer der ersten, der hier zur Kur weilte, war ab 8. Juli 1823 der evangelische Theologe Johann Borott. Er schrieb über seinen Aufenthalt Tagebuch und veröffentlichte es 1824 in Zittau. An einer Stelle erwähnt er auch das Alaunwerk: „Das fürstliche Alaunbergwerk wird zweimal in der Woche am Sonntag und Mittwoch Nachmittag um IV. Uhr für jene, die es sich öffnen lassen wollen, gezeigt, und melden sich beim Obersteiger Leidow, sonst aber auch auf ausdrücklichen Befehl oder mit besonderer Erlaubniß des Hütten-Direktors Fremden gezeigt.“ 2

Borott schrieb begeistert über Muskau: „Ein neuer beachtenswerther Nahrungszweig des Orts ist das eine halbe Viertelstunde von der Stadt Muskau südlich derselben unmittelbar am Fuße der allmählig gegen das linke Neißufer sich abdachenden Alaunbergen neuerrichtete Bad mit der Vorderfront gegen die große Landstraße nach Rotenburg und Niesky. Das eigentliche Badehaus bildet ein längliches Viereck, um welches von allen Seiten ein Korridor sich zieht, wo nebst der Wohnung des Bademeisters die Mineral- und Schwefelbäder, an der Mittagsseite aber die beiden Fürstenbäder mit zinnernen Wannen und kostbaren Möbeln versehen, sich befinden.

Weiter südlich steht ein zweites Gebäude in welchem ein Gast- und ein geräumiges Gesellschafts- oder Tabakszimmer, die Küche und einige Wohnzimmer für wohlhabende Badegäste sind. Der neue Badesaal stößt zunächst an das erst beschriebene Haus, einen rechten Winkel bildend, mit der Façade auf die Stadt zu, auch mit einem Korridor. Die neuste im Halbzirkel und ländlichen Geschmack erbaute Gallerie, welche während meines hierortigen Aufenthalts fertig geworden ist, steht gegen Osten dem Badehause gegenüber, so daß man die ganze Badeanstalt im Auge hat. Innerhalb dieser drei Gebäude ist ein runder mit Grase bewachsener eingefaßter Platz, in dessen Mitte eine bronzirte große Vase mit Blumen auf einem runden Postament steht, weiter gegen den Berg hin spielt eine mit Blumen schön gefasste Fontaine.       

     Kolorierte Lithographien des Bades, Gustav Täubert, um 1850     Städtische Museumssammlung

Dicht bei der Badeanstalt befindet sich in beträchtlicher Tiefe die Badequelle, deren Wasser durch Pumpen zur Anstalt geleitet und daselbst theils erwärmt, theils kalt in die Röhren, welche ihren Abfluß in die Badewannen nehmen, geleitet wird … 

Kaum 200 Schritte von dieser anmuthvollen Badeanstalt entfernt, näher dem Neißufer, befindet sich der in Granitstein gefaßte … Trinkbrunnen, Hermannsquelle genannt. Das Wasser dieser Quelle ist hell, kalt und schwefelartig…

Diese Anstalt … enthält bereits 22 Bäder, und ein Bassinbad zum Gebrauch der Unbemittelten. Dieses Gemeinbad, die Moorbäder, zu denen der Schlamm drei Stunden von Muskau entfernt geholt wird; das russische Dampfbad, das Tropfbad, Sturzbad, Spritz- und Duschbad, Kräuterbad und die Schlackenbäder … befinden sich alle in dem schönen zwei Stock hohen Gebäude, wo der neue Badesaal sie unbemerklich macht. Es ist alles so artig und freundlich, daß man bewundern und preisen muß, wie viel der hohe Dynast auf Muskau hier innerhalb eines so kurzen Zeitraums mit beträchtlichen Kosten zu einer allgemeinen genußreichen allen Forderungen genügenden Badeanstalt geleistet hat. Es ist hier unverkennbar das Bequeme mit dem Angenehmen und Nützlichen verbunden. Daß sich dieses Herrmannsbad schon in mehrern Krankheitsfällen überaus heilsam

erwiesen hat, ist ausser allem Zweifel, die glücklichen Erfolge vieler Hülfssuchenden beweisen es, und auch der Verfasser, dem in seinem schmerzhaften Krankheitszustande fast alle Hoffnung der Genesung benommen ward, kehrte gesund zurück und preiset die alles so weise und gut leitende Vorsehung voll Freude und Dank …“ 3

Quartier nahm Johann Borott nicht im Hermannsbad, sondern privat bei „Herrn Häne, dessen Gastfreundschaft“ er genoss. Borott schrieb: „Daß überhaupt Badegäste sowohl in vier Gasthöfen, als im Amthause und Bade auf das Beste und Billigste bedient werden, ist allgemein bekannt. Aber auch für Geistesnahrung und Lektüre ist wohl und reichlich gesorgt. Man findet nicht nur im Bade und Amthause Zeitungen und Journale, sondern auch bei Herrn Geißler ausser Zeitschriften die besten deutschen Werke zu lesen. Quartiere sind bequem, reinlich und billig. Den guten Muskauern muß man ewig nachrühmen, daß sie dienstgefällig, artig, gesellig und human sind, so daß sich unter ihnen recht angenehm weilen läßt.“ 4

Um auf Muskau aufmerksam zu machen, gab Fürst Pückler 1825 eine kleine Veröffentlichung zum Hermannsbad heraus, die auch eine Beschreibung der Heilmittel durch Dr. Sigismund Friedrich Hermbstädt (1760 – 1833), dem damaligen Badearzt, enthält. Dazu ließ er durch Ludwig Eduard Lütke (1801 – 1850) fünf Lithografien anfertigen, die das Schloss, das Hermannsbad und die Alaunberge zeigen. Ein Exemplar des Ansichtenbandes übersandte er Johann Wolfgang Goethe, möglicherweise in der Hoffnung, dass er als prominenter Gast nach Muskau käme. Dieser Wunsch ging aber nicht in Erfüllung. Durch die Ansichten aus dem Band und denen aus den „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“, erschienen 1834, hat man heute eine Vorstellung über das Terrain des Bades zur Pücklerzeit. 

Ansichten zur Beschreibung des Bades, Lithographien von Ludwig Eduard Lütke, 1825   Städtische Museumssammlung 

Gegend vor Erbauung und Ansicht der ganzen Badeanstalt aus Andeutungen über Landschaftsgärtnerei,1834,                     Sammlung Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“

Eine weitere Quelle sind die Aufzeichnungen der Baronin Louise Kotz Dobrž (1812 – 1863) und die von ihr gefertigten Ansichten des Bades, die sie teils 1859 in Band 1 des Büchleins „Was ich erlebte! Was mir auffiel! Erinnerungen vermischten Inhalts“ 5 veröffentlichte. Nachdem sie Pückler auf einer Reise kennengelernt hatte, weilte sie mit ihrer Schwester zwischen 1840 und 1845 für zwei Wochen in Muskau. 

Trink- und Moosgalerie und Exedrabank, geschaffen nach einem Entwurf von Friedrich Schinkel,

 Lithographien von Louise B. Kotz, 1840er Jahre, Sammlung Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“

Das Reglement der fürstlichen Direktion des Hermanns-Bades von 1824 schrieb fest, wie man sich zu verhalten hat: „Als Kur- und Badegast wird jeder, die Stadt Muskau und die daran grenzenden Dörfer Neustadt und Berg besuchende Fremde betrachtet werden, sobald sein Aufenthalt sich über 8 Tage erstreckt, derselbe das hiesige Bad wie den fürstlichen Park, es sey durch Gebrauch des Bades selbst, oder zu seinem Vergnügen benutzt, ohne darzuthun, daß er sich in Privat- oder Familien-Angelegenheiten hier befindet. Es ist daher ein Jeder verpflichtet: den ihm durch seinen Hauswirth vorgelegten Anmeldungszettel mit Angabe seines Namens, Charakters und Wohnorts, Zweck seines Aufenthalts und muthmaßlicher Dauer desselben, auszufüllen. 

Dieser Zettel ist von dem Hauswirth an die Polizei und von dieser an die Bade-Direktion abzuliefern, auch der Hauswirth schuldig, die Abreise des Fremden sogleich anzumelden.“ 6

Doch, wie viele Gäste weilten denn nun in Muskau?

Die ersten Angaben über die Anzahl der Kurgäste stammen von Dr. Hermbstädt und aus einem Journal der praktischen Heilkunde.

1823: 130   

1827: 150 

1832:   78

1833:   63 

Unter dem Pückler nachfolgenden Besitzer der Standesherrschaft Muskau, Prinz Friedrich der Niederlande (1797 – 1881), der u. a. auch in die Anlagen des Hermannsbades investierte, fand der Kurbetrieb etwas mehr Zuspruch. Der zu der Zeit tätige Badearzt Dr. Emil Eduard Albert Prochnow, Geheimer Sanitätsrat (1819 – 1891), verfasste 1857 das Buch „Muskau, seine Kuranstalten und Umgebungen“ und beschrieb die Geschichte der Standesherrschaft und der Stadt Muskau, aber auch das Alaun- und Gradierwerk, die Glashütte und das Hüttenwerk in Keula. Den größten Anteil des Inhalts nimmt aber das Bad mit einer ausführlichen Beschreibung der Heilmittel ein: Heilwasser, Mineral- und Kiefernadelbäder und die Wirkung des Moores. Dazu werden kolorierte Ansichten des Bades gezeigt. Eine zweite, stark überarbeitete Auflage des Buches erschien 1872, hier aber mit einem kritischen Vorwort: „Als im Jahr 1857 die erste Auflage dieser Schrift erschien, befanden sich die Bade-Anstalten des hiesigen Kurortes in Verhältnissen, welche den Anforderungen der heutigen Zeit kaum im bescheidensten Maasse entsprachen; seit der Gründung des Bades, also seit dem Jahr 1823, waren die ersten Einrichtungen kaum verändert und litten nun ebenso zum Schaden des guten Rufes der Anstalt als des Wohlbefindens der Kurgäste unter den Einflüssen, welchen alles Vergängliche unterworfen ist. Der hohe Besitzer der Standesherrschaft Muskau, Prinz Friedrich der Niederlande Königl. Hoheit, hat deshalb durch die Erbauung eines neuen mit allen therapeutischen Erfordernissen, sowie mit Behaglichkeit und Eleganz ausgestatteten Badehauses, durch die Einrichtung comfortabler Wohnungen und durch vielfache andre Verbesserungen aller Uebelstände Abhülfe befohlen, …“ 7

Villa Bellevue, um 1885, kolorierte Lithographie, Gustav Täubert, Städtische Museumssammlung

Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Weißwasser – Muskau im Jahr 1872 an die Verbindung Berlin – Görlitz verbesserte sich die Erreichbarkeit Muskaus um ein Vielfaches. Dazu kam, dass das Hermannsbad nur wenige Minuten Fußweg vom Muskauer Bahnhof entfernt war, dessen Bahnhofsgebäude 1873 fertiggestellt wurde. Bisher erfolgte die Anreise mit der Post- oder der eigenen Kutsche.

Muskauer Anzeiger Nr. 8 vom 29. Januar 1873

Ansichtskarte mit Bahnhof und Villenviertel, um 1900,  Städtische Museumssammlung 

Auch die Einstellung des Alaunabbaus und Einbeziehung des Terrains durch Gestaltungsmaßnahmen unter Carl Eduard Petzold (1815 – 1891) trug erheblich zum Wohlbefinden der Kurgäste bei. Ob bereits über die Anzahl der Kurgäste im Muskauer Wochenblatt, das seit 1821 in Görlitz und ab 1847 in Muskau erschien oder ab 1853 im Muskauer Anzeiger berichtet wurde, ist aufgrund nicht zur Verfügung stehender Quellen bisher unbekannt. Durch die Recherchen in der Breslauer Bibliothek ändert sich die Quellenlage ab 1872. Nicht nur die Anzahl sondern auch Namen, gesellschaftliche Stellung bzw. Beruf und der Wohnort der Kurgäste wurden im Muskauer Anzeiger veröffentlicht. Hotels, Pensionen und private Personen, die Kurgästen Logis boten, waren zur Meldung verpflichtet. Die nachfolgenden Angaben sind ein Fazit aus diesen Veröffentlichungen.

1872

Der Muskauer Anzeiger gibt 273 Gäste an, davon u. a. 52 aus Berlin, 46 aus Muskau, einzelne aus Weißwasser und Berg, acht aus Forst, jeweils sechs aus Görlitz, Cottbus und Spremberg, neun aus Sagan, zehn aus Sorau u. a. Die weiteste Anreise hatten Gäste aus Tomaszow (Polen), Breslau, Stettin, Aachen und Frankfurt am Main.

Für Muskau sind einige uns bekannte Namen benannt: Frau Apotheker Neitzel, im Mai und Juli Bauinspektor Strasser, Fräulein Ahner, Tochter von Maximilian Ahner und Fräulein Petzold, vermutlich Tochter von Carl Friedrich Christian Petzold sowie der Hotelbesitzer vom Stadt Berlin Carl Lehmann und Julius Lischka vom Grünen Baum. Neben Glasfabrikant Greiner und Hüttendirektor Nimbs aus Jämlitz-Hütte, weilten auch Bürger mit unterschiedlichen „normalen“ Berufen zur Kur: Bergmann Schimmang vom Dorf Berg, Zugführer Hempel und Fleischermeister Heinze sowie der herrschaftlicher Kutscher Horn aus Muskau. 

Der erwähnte Bauinspektor Maximilian Franz Strasser (1819 – 1893) war der Schwiegersohn des Garten- und Parkinspektors Jacob Heinrich Rehder (1790 – 1852) und als Architekt und Baumeister am Schlossumbau 1863-1866 beteiligt. Von ihm und Baumeister Hermann Wentzel (1820 – 1889) standen Sandsteinfiguren an der Südseite des Neuen Schlosses, die leider 1945 beim Schlossbrand zerstört wurden. Bei der Wiederaufstellung der Nachbildungen im Jahr 2008 fand der erhaltene Sandsteinkopf von Strasser aus dem Bestand des Muskauer Stadt- und Parkmuseums seine Wiederverwendung. 

1873

Der Muskauer Anzeiger nennt in Summe 147 Gäste, davon u. a. 34 aus Berlin, jeweils zehn aus Muskau und Görlitz, ansonsten einzelne aus vielen Orten des Deutschen Kaiserreichs. Die weiteste Anreise hatten Gäste aus Stralsund mit 430 Kilometern. Aus Wittenberg, immerhin 178 Kilometer entfernt, weilte ein Landschaftsmaler namens Burckhardt hier, der sicherlich seinen Aufenthalt auch zum Malen nutzte. Unter den zehn Gästen aus Muskau war Fräulein Louise Petzold, die 1824 geborene Halbschwester des Gartendirektors Carl Eduard Petzold. Da sie hier mit dem Vornamen genannt ist, müssen wir nicht wie 1872 vermuten, sondern wissen, dass sie zu den Töchtern von Carl Friedrich Christian Petzold gehört. 

1874

Von 134 gemeldeten Gästen sind u. a. 31 aus Berlin, 12 aus Muskau, fünf aus Breslau und zwei aus Stettin. Unter den Muskauern befanden sich Hüttendirektor Nimbs, Frau Druckereibesitzer Donath, Frau Sanitätsrat Prochnow und Frau Generaldirektor Rieloff sowie Kaufleute, ein Bäckermeister, Hotelbesitzer Lischka, ein Briefbote und ein Häuslerssohn. Ein Kaufmann namens Albrecht aus Stettin hatte mit 315 Kilometern die weiteste Anreisestrecke zu überwinden.  

1875

Die Gästezahl erhöhte sich nur geringfügig auf 172 davon 26 aus Berlin, 20 aus Muskau sowie zwei vom Dorf Berg, 16 aus Görlitz, sieben aus Frankfurt a. O., acht aus Forst und drei aus dem schlesischen Naumburg wie Töpfermeister Franke und Fleischermeister Friedrich. Die längste An- und Rückreise vollbrachte Miss Zingler aus London. Zu wiederholten Badegästen gehörten Franz Maximilian Strasser und die Hotelbesitzer Lehmann und Lischka. Weitere Muskauer waren Musiker Czerni, Fleischermeister Heinze, herrschaftlicher Kutscher Horn und Schuhmacher Dreßler sowie vom Dorf Berg ein Lazarettwächter und ein Bergmann. Gast aus Jämlitz war wieder Hüttendirektor Nimbs und erstmals erwähnt Glasfabrikant R. Greiner. 

1876

Für diese Badesaison ergeben sich unterschiedliche Zahlen: Laut dem bereits zitierten Badearzt Dr. Prochnow weilten 271 Gäste im Bad. Angaben aus dem Muskauer Anzeiger, die erst Ende Juni beginnen, so dass fast zwei Monate fehlen, ergeben in Summe 94 Gäste, darunter 21 aus Berlin und 13 aus Muskau. Diese zahlenmäßigen Unterschiede betreffen auch 1874 und 1875, die Prochnow mit 283 und 274 angibt. Das liegt daran, dass er die gesamte Saison, die vom 15. Mai bis 15. September andauerte, betrachten konnte, uns aber nur Anzeiger von Mai bis August zur Verfügung standen. Prochnow gibt auch detailliert Auskunft über die 1875 getätigten Behandlungen.

              Muskauer Anzeiger Nr. 35 vom 3. Mai 1876

1877

Das Bad scheint guten Zuspruch erfahren zu haben. Angaben liegen aber nur für den kurzen Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juli vor, dafür aber 144 Gäste, allein 44 aus Berlin. Die Bahnverbindung von Berlin nach Weißwasser und von dort nach Muskau wirkte sich positiv aus.   

Unter elf aus Muskau kommenden Gästen befanden sich Parkdirektor Carl Eduard Petzold, Baumschulinspektor Heinrich Gustav Schrefeld und Kreisgerichtsrat Freiherr von Kittlitz sowie Töpfer Lehmann, Feldmesser Jaenicke und Prediger Reichert. 

Für die Vorsteherin des Deutschen Hospitals und ihre Schwester, Misses Bürger ist als Wohnort London und für eine Dame namens Hoovur das 1.500 Kilometer entfernte Rom angegeben. 

Interessant ist die Nennung eines Prinzen Salm aus Münster. (keine genaueren Angaben) Das im äußersten Westen Westfalens gelegene Gebiet des Fürstentums Salm war seit 1815 infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses unter preußische Souveränität gelangt. Es könnte sich dabei um Alfred Konstantin zu Salm-Salm (1814 – 1886) oder Alfred Ferdinand (1846 – 1923) gehandelt haben, beide gehörten zum Hochadel und waren Mitglied im preußischen Oberhaus. Möglicherweise waren sie näher mit dem damaligen Standesherrn Prinz Friedrich der Niederlande, der mit Prinzessin Wilhelmine von Preußen verheiratet war, bekannt. Aber dies sind leider nur Vermutungen. 

Im Juni 1877 ist ein weiterer interessanter Gast, Graf Albrecht von Roon (1803 – 1879) aus Krobnitz verzeichnet. Er war preußischer Generalfeldmarschall und hatte als Kriegsminister Anteil am Erfolg Preußens in den Deutschen Einigungskriegen. Schloss Krobnitz, in dem Albrecht von Roon seine letzten Lebensjahre verbrachte, war seit 1873 in seinem und bis 1945 in Familienbesitz. Die Familiengruft existiert noch, der Ururenkel Manfred von Roon verstarb 2024 und erhielt auf seinen Wunsch hin, seine letzte Ruhestätte auf dem dortigen Friedhof. 8

    Muskauer Anzeiger Nr. 45 vom 6. Juni 1877

1878

Im Muskauer Anzeiger werden 116 Gäste angegeben, davon 21 aus Berlin und 12 aus Muskau. Unter den Kurgästen aus Muskau sind wieder Baumschulinspektor Schrefeld und Fräulein Louise Petzold, aus Keula ist Revierförster Brotke genannt. 

1879

Bis August weilten 207 Gäste in Muskau zur Kur. Allein 65 aus Berlin und 15 aus Spremberg, die sicherlich die günstige Bahnverbindung nutzten. 

Auffallend ist, dass im Juni und Juli acht Reichstagsabgeordnete verzeichnet sind, sie kamen aus Erlangen, Augsburg, Frankenstein, Hannover, Horchheim und drei aus Berlin. In diesem Jahr kandidierte der Landeshauptmann der Oberlausitz, Otto Theodor von Seydewitz für die Position des Reichstagspräsidenten und wurde gewählt.

 

  Muskauer Anzeiger Nr. 57 vom 17. Juli 1878

Zu einem Kurgast, Victor Goldammer aus Ziegenhals, konnte Helga Heinze bei ihren Recherchen in den Sterberegistern der Deutschen Kirche im evangelischen Pfarramt Muskau interessante Angaben finden: Der Postsekretär/Postmeister Goldammer lebte seit 1866 in Muskau, wurde 1872 nach Ziegenhals versetzt, war 1879 zur Kur und lebte dann ab1881 wieder in Muskau, wo er 1882 verstarb.9

Weitere Nachweise über die Anzahl der Kurgäste liegen uns erst wieder für Juni/Juli 1883 mit nur 34 und von Juni-August 1885 mit 121 Gästen vor. Die meisten reisten, wie schon in den Jahren zuvor, aus Berlin und Umgebung an.  
 

Badegäste und Fremde

Ein nach Auswertung der uns vorliegenden Muskauer Anzeiger erstelltes Ortverzeichnis ergib ungefähr 550 unterschiedliche Herkunftsorte für Kurgäste und Fremde. Wie bereits erwähnt, kamen die meisten aus Berlin. Zahlenmäßig folgen Görlitz, Forst, Cottbus, Sagan, Sorau, Lauban, Guben, Frankfurt a. O. und Cottbus. Etwa gleich ist die Anzahl der Kurgäste und Fremden aus Sommerfeld, Liegnitz, Stettin, Breslau, Dresden und Frankfurt a. M.

Bei den Badegästen ist nicht angegeben, wo sie logierten. Anders bei den „Fremden“, wo neben Namen, Herkunftsort und Beruf bzw. gesellschaftlicher Stellung auch die Unterkunft angegeben ist. 

Als Beispiel wurde die Fremdenliste des Jahres 1872 ausgewertet: Insgesamt sind 670 Fremde erfasst, eine hohe Anzahl im Vergleich zu 273 Kurgästen, die etwa 40 % der gesamten Besucher Muskaus ausmachten. Beide Nachweise betreffen den Zeitraum Mai bis September. Logis nahmen 320 Fremde im Hotel Zum Grünen Baum, 149 im Schwarzen Greif, 73 im Goldenen Stern und 128 bei Privatvermietern, die versuchten, durch Anzeigen auf sich aufmerksam zu machen. 

    Muskauer Anzeiger Nr. 60 vom 28. Juli 1877

               Hotel Stadt Berlin, um 1895

Eine erstellte Tabelle mit Namen, Herkunft, Unterkunft und Beruf zeigt, dass die Kaufleute, 1872 mit 192 an der Zahl, eindeutig überwiegen, gefolgt von den Fabrikanten mit 26. Neben Rittergutsbesitzern, Forstinspektoren, Bank-Assessoren, Kanzleiräten, Pastoren, Buchhaltern, Töpfer- und Zimmermeistern, Gasthof- und Bäckereibesitzern, Gärtnern und Gartenkünstlern sowie Tuchmachern sind u. a. auch Landwirte, Pferdehändler und Musiker unter den Fremden. Wer von den genannten Personen hier war, um zu sondieren, ob es lukrativ wäre, sich in Muskau als Handwerker-, Gewerbetreibender oder Fabrikbesitzer niederzulassen, werden wir in einem späteren Beitrag erörtern. 

Ab 1873 sind bei den Unterkünften der Fremden auch das Hotel Stadt Berlin und das Hermannsbad verzeichnet. In der Beliebtheit rangierte Stadt Berlin ganz vorn, gefolgt vom Grünen Baum und Schwarzen Greif, die ähnliche „Fremde-Gästezahlen“ aufweisen.    

Schwarzer Greif, um 1880 

Grüner Baum, um 1890

Bildvorlagen aus Städtischer Museumssammlung

 

Quellen: 

1 Muskauer Anzeiger, 1902

2 P. J. B. (Pastor Johann Borott), „Tagebuch im Muskauer Hermannsbade“, Zittau 1824

3 siehe 2

4 siehe 2

5 Louise Kotz, „Was ich erlebte! Was mir auffiel! Erinnerungen vermischten Inhalts.“ (3 Bände, Prag 1859–1861,   mit 
  zahlreichen Lithographien auf der Grundlage ihrer eigenen Zeichnungen, Beschreibung ihres Besuchs in Muskau in Band 1

6 siehe 2

7 Dr. Prochnow, „Muskau, seine Kuranstalten und Umgebungen“, Spremberg und Muskau,  2. Auflage, 1872, Vorwort

8 Wikipedia zu Albrecht und Manfred von Roon 

9 Sterberegister der Deutschen Kirche 1864 -1891, Recherche Helga Heinze

 

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