Das Bierbrauen und die Brauereien in Muskau

Holger Klein/Helga Heinze, Bad Muskau/Krauschwitz, 2025

Jede noch so kleine Stadt kann auf eine lange Geschichte des Bierbrauens zurückschauen, so auch Bad Muskau. Mit dem noch heute erhaltenen Brauhaus verbindet sich die letzte Periode der Bierherstellung von 1845 bis 1974. Grund genug, der kompletten Entwicklung des Bierbrauens in dieser Stadt nachzugehen. Hinter der über 500-jährigen Braugeschichte stehen nicht nur die jeweiligen Besitzer der Herrschaft, deren Entscheidungen maßgeblich die wirtschaftliche Situation bestimmten, sondern auch die Muskauer Bürger und Handwerker, die mit ihrem Fleiß das Wohl der Stadt voranbrachten und sich als Eigentümer brauberechtigter Häuser in einer Braukommune organisierten. 

Bierkrug, 1850              

Restaurant „Niederländischer Hof“ und Brauhaus    Postkartenausschnitt 1904  .

     Bierflasche, 1930

Mit der Bestätigung des Stadtrechts im Jahre 1452 erhielt die Muskauer Bürgerschaft das landesrechtlich verbriefte Brauurbar als Privileg zum Bierbrauen und -ausschenken, welches jeder neue Grundherr verlängerte und modifizierte. So lag es noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf den brauberechtigten Wohnhäusern der Stadt. Als die Landesregierung 1845 dieses Privileg aufhob, verlor die städtische Braukommune ihre Daseinsberechtigung. Jedoch bestand dieser Zusammenschluss der 96 brauberechtigten Hausbesitzer noch bis in das Jahr 1932.1

Muskauer Anzeiger, 1876

Bierdeckel, um 1970              

Fundstücke, 2021

Wer braute nun wo welches Bier? Die Bürgerschaft stellte im städtischen Brauhaus neben dem Rathaus ihr Stadtbier her, schenkte es in ihren eigenen Häusern aus und trieb Handel damit. Die Herrschaft hingegen, mit dem steuerfreien Braurecht für den eigenen und den Bedarf in ihren Besitzungen, ließ ihr Schloßbier im Schlossbrauhaus, heutiger Standort der Orangerie herstellen. Somit fand in Muskau das Bierbrauen bis zur Übernahme des alleinigen Brauurbars durch Fürst Hermann von Pückler-Muskau im Jahre 1842 stets in getrennten Brauhäusern statt. 

An verkehrstechnisch wichtigen Punkten hatten sich schon in frühester Zeit Schenken, Tränken und Kretschame etabliert, deren Wirte als Erb-Kretschmer einen Sonderstatus besaßen. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden aus einigen brauberechtigten Muskauer Häusern Gasthöfe mit Eigennamen, die die Wiege späteren Gastronomie bildeten.

Das in Muskau gebraute Gersten- und Weizenbier zählte Ende des 17. Jahrhunderts zur begehrten Handelsware, die bis nach Dresden, Bautzen, Zittau und Görlitz gelangte.2 Ein Bericht über das gesamte in der Oberlausitz gebraute Bier endete mit den Worten „[…] für die beste Sorte galt das Muskauer.“3 Welche Probleme, Streitigkeiten, menschliche Schicksale aber auch bierselige Freuden in dieser langen Tradition verborgen liegen, versuchen die Autoren demnächst in einem umfangreichen Text zusammenzufassen.

 

Der Kantor der Muskauer Stadtkirche Johann Caspar Crusius (1635 – 1691) teilte im Jahre 1671 mit, dass hier „ein gutes Weitzenbier gebrauen wird / welches alles wohlgeräth / an der Farbe weißlicht / und am Geschmack lieblich ist / giebt gute subtile Spiritus und vermehret natürliche Wärme / ist gesund und nähret wol / wen[n]s nur nicht zu sündlichen Überfluß und Völlerey mißbrauchet wird. […] 

Man pflegt schon manche Zeit ein Sprichwort hie zu sage[n]:

Das Schloß / die neue Kirch’ / und dan[n] das weisze Bier /

Die sind (und ist gewisz) O Muszkau / deine Zier.4

Quellen:

1 Vgl. StS BM V 653 S, Verzeichnis der brauberechtigten Häuser und deren Besitzer (1860 bis 1932) Beleg 11. Mai 1932, unpag.

2 Vgl. StS BM V 749 Klage des Raths und der Bürgerschafft zu Muskau gegen Herrn Curt Reinicken Grafen von Callenberg wegen  +      Brau Urbar, Chur Fürstl. Sächs. Schöppen zu Leipzig, 1698.

3 Engelhardt, Karl August: Erdbeschreibung des Königreichs Sachsen, Neunter Band, Leipzig 1848, S. 99.

4 Crusius, Johann Caspar: Muszkauische Kirchen-Zierde bestehend […], Guben 1671, unpag.

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