Mord in der Töpferei Lehmann 1886
Helga Heinze, Krauschwitz, 2025
Der Muskauer Lehrer Paul Herkner (1863 – 1943) schrieb in seinem Spaziergang über den Alten Friedhof an der Jakobskapelle im Jahr 1926:
„Und hier ist ein einsames Grab, nahe dem Ausgang des Friedhofs. Ein furchtbares Geheimnis birgt es: Die Gebeine eines jungen Mädchens, das vor Jahr und Tag in unserem Orte ermordet wurde.“

Belegschaft der Töpferei Carl Lehmann, um 1900
„Was seit Menschengedenken, ja seit einem Jahrhundert hier nicht vorgekommen – Am Sonnabendabend den 30. Januar 1886 hatte es sich ereignet: Ein Menschenleben war einem Meuchelmörder zum Opfer gefallen.“1
Gegen 23 Uhr fand man das 22-jährige Dienstmädchen Marie Marko aus Sagar im Hof ihres Brotherrn, des Töpfermeisters Carl Lehmann. Als sie aus dem dort befindlichen Brunnen Wasser holen wollte, hatte sie der Mörder durch zwei wahrscheinlich mit einem Beil ausgeführte Schläge in den Hinterkopf tödlich getroffen. „Auch das Gesicht des Mädchens war durch Beilhiebe schrecklich zugerichtet, und einige Finger der linken Hand, mit der sie wahrscheinlich in der Todesangst nach dem Kopfe gefaßt haben mag, waren zerhauen.“2
Bis zur gerichtsärztlichen Untersuchung, die am 1. Februar in Anwesenheit des Görlitzer Staatsanwalts stattfand, musste Marie am Tatort liegen bleiben. Nachdem sie in der Leichenhalle des Wilhelm-Augusta-Stifts zwischenlagerte, beerdigte sie Pfarrer Oscar Kleinert mit einer feierlichen Rede unter großer Anteilnahme auf dem Alten Friedhof an der Jakobskapelle. Sie hinterließ Vater, Mutter, Geschwister und ihr vor 15 Tagen drei Jahre alt gewordenes Söhnchen.


Muskauer Anzeiger, 6. Februar 1886
Oberpfarrer Oscar Kleinert

3. Februar 1886


13. Februar 1886
3. November 1886
Da der Täter entkam und Nachforschungen nichts erbrachten, setzte die hiesige Polizeiverwaltung 100 Mark Belohnung zur Ergreifung des Mörders aus. Die Königliche Regierung zu Liegnitz stellte am 7. Februar zusätzlich 150 Mark in Aussicht. Im März erfolgte endlich die Festnahme eines Verdächtigen, des Maschinenwärters Hermann Drogoin aus Krauschwitz, der jedoch im Juli als unschuldig wieder nach Hause zurückkehrte. Im November erhöhte die Regierung in Liegnitz die Prämie auf 300 Mark.
Da die beiden Hunde im Hof der Töpferei Lehmann in der Mordnacht nicht anschlugen, konnte es sich nur um eine zum Hause gehörige Person gehandelt haben. Nachdem der Töpferlehrling Max Fehmann Äußerungen gegen den Sohn seines Meisters Carl Lehmann tätigte, gelangte dieser in Görlitz vor Gericht, erhielt jedoch im Oktober 1887 einen Freispruch aus Mangel an Beweisen.
1897 berichtete die Berliner Zeitung, dass der damalige Töpferlehrling Max Fehmann unter massiven Verdacht geriet.3 Scheinbar konnte auch ihm diese Tat nicht nachgewiesen werden.
1928 landete die Bluttat erneut in den Schlagzeilen, worauf der Muskauer Anzeiger folgendes berichtete: „Die von einigen auswärtigen Zeitungen gebrachte Nachricht von der Aufdeckung eines hier vor 42 Jahren geschehenen Mordes an dem Dienstmädchen Marie Marko beruht auf einem Gerücht. Es ist in der Angelegenheit keine Verhaftung erfolgt.“4
Karl Friedrich Marko, der uneheliche Sohn der Ermordeten, heiratete 1908 Anna Marie, die Tochter des Wirtschaftsvogts Ernst Hilbrich in Weißkeißel. Der Tod seiner Mutter konnte niemals gesühnt werden.
Quellen:
1 Muskauer Anzeiger, 3. Februar 1886.
2 Ebd.
3 Berliner Zeitung, 1897.
4 Muskauer Anzeiger, 1928.
