Bericht von Ingeborg Stellmann geb. Schreck, Helga Heinze        2025

1936 bis 1947 – Inges Kindheit in Muskau

Herbert und Margarete Schreck kamen 1934 nach Muskau, um den Tabakladen im Haus der damaligen „Zigarren- und Tabakfabrik zum Fürst Pückler“ im Steglerschen Haus – später HO-Fahrzeuggeschäft Berliner Straße 1 – zu übernehmen. Am 21. Mai 1936 kam ihre Tochter Ingeborg zur Welt. Vorerst erlebte Inge hier eine unbekümmerte Kindheit. Manchmal kamen ihren Großeltern aus Grünberg und Dresden zu Besuch. Inge erfreute sich im Sommer an Kinderfesten im Hermannsbad und im Winter an Schlittenfahrten im Park. Nach dem Kindergarten tobte sie mit ihren Spielkameraden in der Stadt herum. Dabei fungierte der Brunnen am Markt als Treffpunkt der Rasselbande. Auch mit Malerin Lucy von Barclay de Tolly, mit der ihre Eltern sehr gut befreundet waren, durfte sie mit dem Fahrrad im Park unterwegs sein. Jedoch als Lucy dann anhielt und ihre Staffelei aufstellte, wurde es Inge langweilig und sie machte sich davon. 

Besuch der Großeltern aus Dresden, 1938        

Treffpunkt am Marktbrunnen, 1941

Inge mit ihrem Vater, letzter Besuch 1941

Inge mit Zuckertüte, August 1942                     

Bald forderte der Krieg ihren Vater als Soldat an die Front. Nach seinem letzten Heimatbesuch 1941 kehrte er nicht mehr zurück. Ihre Einschulung im folgenden Jahr hatte er nicht mehr erlebt.

Inzwischen befand sich das Geschäft im Haus Markt Nr. 7 neben der Andreasgasse, das nun ihre Mutter allein weiterbetrieb. Der Laden fungierte gleichzeitig als Anzeigenannahmestelle, denn in dieser Zeit füllten viele Todesannoncen die Zeitungen.

Tabakgeschäft von Herbert Schreck im Steglerschen Haus, 1934

Inge im Tabakwarengeschäft, 1940

Tabakwarengeschäft Markt 7, 1944

Tabakwarengeschäft Markt Nr. 7, 1939

Markt Haus Nr. 7, 1945

Im eiskalten Februar 1945 kam der Aufruf, Muskau zu verlassen. Als Inge mit ihrer Mutter nach den Kriegswirren wieder heimkehrte, war nichts mehr wie es war. Die Häuser samt Schloss, Rathaus und Kirchen lagen zu 75 % in Schutt und Asche. Auf eine geregelte Versorgung mit Wasser und Strom – schon gar nicht mit Lebensmitteln – konnten sie nicht hoffen. Die Menschen suchten verzweifelt in den nicht ausgebrannten Häusern nach Brauchbarem und nach Essen. Inges Mutter fand in ihrer Wohnung noch eine Tüte Erbsen, wovon sie eine Mahlzeit bereitete. Offensichtlich hatte sich in den Hülsenfrüchten schon Ungeziefer eingenistet, doch das tat nichts zur Sache. Der Hunger war allgegenwärtig. Da ihre Mutter in den Kellern der Häuser noch Essbares vermutete, bekam die kleine Inge den Auftrag, durch die Kellerfenster zu kriechen. Als sie eines Tages aus der Sakristei der Stadtkirche mit einer Bienenwachskerze nach Hause kam, freute sich ihre Mutter sehr.

Damit bestrich sie die Pfanne und briet geriebene Kartoffeln darin. Das Ergebnis nannten sie dankbar und glücklich „Hallelujakeulchen“. 

 

1947 zog Inge mit ihrer Mutter zu den Großeltern mütterlicherseits nach Dresden und kam über Stationen in Leipzig und Berlin nach Bremen, wo sie eine Familie gründete und bis heute lebt. 

Durch das Buch „Bad Muskau eine Zeitreise“ trat sie im Sommer 2025 mit dem Freundeskreis Historica in Kontakt und unternahm trotz ihres hohen Alters mit den zwei Söhnen noch einmal einen Besuch ihre Heimatstadt.

Als sie im Oktober 2025 hierherkam, hatte sie nicht nur spannende Kindheitserinnerungen, sondern auch eine Menge historischer Fotos im Gepäck. Obwohl 1945 das Wohnhaus in der Mittelgasse als einziges noch stand, besaß ihre Familie keine Fotos mehr. Fast alles war zerstört oder gestohlen. Später erbat sie von ihren Großeltern und Verwandten Aufnahmen aus ihrer Kindheit und dem Tabakwarenladen ihrer Eltern. Mit großer Freude übernahm der Freundeskreis diese Aufnahmen und konnte somit einen weißen Fleck in der Geschichte der Muskauer Handelstreibenden schließen. Einige der Fotos boten einzigartige Einblicke in das Leben der Malerin Lucy von Barclay de Tolly, dazu aber mehr in einem nächsten Beitrag.

Haus Mittelstrasse Nr. 289, später Nr.4, 1954                 

ehemalige Wohnung von Familie Schreck

  Inge zu Besuch in Muskau, 2025

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