Schafe, Schöpse, Lämmer – die Schafzucht um Muskau
Helga Heinze, Holger Klein 2025
Die Haltung von Schafen zählte seit Jahrhunderten zu den Einnahmequellen der Muskauer Herrschaft, denn diese Tiere dienten nicht nur als Fleisch-, sondern vorzugsweise als Woll-, Fell- und Lederlieferanten. Erst aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg konnte es gelingen, in historischen Quellen etwas über die Geschichte der Schafhaltung zu erfahren.
Kaum hatten die Bewohner die Schrecken dieses Krieges mit Zerstörung, Hunger, Krankheit und Tod überwunden, schon richtete der Besitzer der Muskauer Herrschaft Curt Reinicke von Callenberg (1607 – 1672) zur Taufe seines Sohnes Hermann 1649 ein viertägiges opulentes Fest aus. Zur Bewirtung der vielen hochrangigen Paten und Gäste, forderte der Kindesvater reichlich Wild und Fisch sowie neben vier Rindern, vier Schweinen und 15 Kälbern auch „16 Lemmer“ und „20 Schepse“ in die Schlossküche. Bei den 20 Schöpsen handelte es sich um kastrierte männliche Schafe, auch Hammel genannt. Der Speiseplan sah für den Tauftag innerhalb der 36 Speisen folgende Schaffleischgerichte vor: „Scheps mit Erdäpffeln, gereucherte Schepszunge mit Capern und Pastete mit Lambfleisch und Johannisbeer“. In den nächsten drei Tagen konnten die Gäste unter anderem „Schepsfleisch mit Hauptkohl, Schepsfleisch gelb mit Zwiebeln, Caldaunen vom Scheps sauer mit Corbey und Schepsenfleisch mit Stachelbeer“1 genießen.


Abbildungen des Muskauer Standesherrn und seiner Ehefrau.
in „Der Landvogt von Callenberg“, Görlitz 1934
Schafzucht
Die Schafzucht in der Standesherrschaft Muskau hat eine lange Tradition. Aus einer Liste des Jahres 1708 ist zu erfahren, dass es neben den herrschaftlichen Schafen auch Bauernschafe gab, somit auch die Dorfbewohner Schafe hielten, die dem Bauernschäfer übergeben wurden. Das betraf in Halbendorf, Trebendorf und Schleife eine Menge von jeweils 200, in Sprey, Rohne und Mulkwitz von jeweils 100 Bauernschafen. In Weißwasser und Nochten befanden sich auf der Liste neben den herrschaftlichen ebenfalls Bauernschafe. Die in den Vorwerken der Dörfer Eselsberg, Groß Düben, Gablenz, Publick, Haide, Braunsdorf, Skerbersdorf, Berg, Weißwasser, Zibelle und Keula tätigen herrschaftlichen Schäfer sind allerdings ohne Angaben der Herdengrößen aufgeführt.2 Nimmt man von diesen insgesamt 19 Herden einen Durchschnitt von 150 Tieren, so ergäbe es eine ungefähre Menge von knapp 3.000 Schafen. Daraus lässt sich die Bedeutung der Schafhaltung auf dem Gebiet der Standesherrschaft Muskau schon Anfang des 18. Jahrhunderts erahnen. Besser belegte Angaben stehen aus dem Vorwerk Berg des Jahres 1829 zu Verfügung, als die Herde aus 600 Schafen bestand, wobei eine frühere Herde von 900 Schafen Erwähnung findet.3 Insgesamt übte die Herrschaft Kritik an der hiesigen Schafzucht: „Für die Veredelung der Schäferey ist ebenfalls wenig gethan; nur die Schaafe auf Vorwerk Berg, welches administrirt wird, stehen in der Veredelung und es muß mit der Zeit aus dieser Branche eine große Vermehrung der Herrschaftlichen Revenuen [regelmäßige Einkommen] erreicht werden.“4 Wenige Jahre danach suchte die Herrschaft den Bestand des Vorwerks Berg zu reduzieren und inserierte den Verkauf von insgesamt 241 Stück Schafvieh in den Wochenblättern von Görlitz, Sagan und Cottbus. Die danach noch restlichen 20 Brackschafe – mangelhafte Schafe, die die Herde verlassen müssen – kaufte der Pächter Henschel vom Gut Jämlitz zum Stückpreis von 15 Silbergroschen.5

Anzeige in der „Oberlausitzer Fama“, Görlitz Mai 1832


Bauzeichnung für den Schafstall, 8. April 1885
Staatsfilialarchiv Bautzen
Schafstall im Winter 1916
Als Rasenmäher sowie als Wolllieferanten plante der Standesherr Traugott Hermann Graf von Arnim (1839-1919) Heidschnucken im Park anzusiedeln. Dazu kaufte er 1884 in Stübeckshorn – heute zu Hötzingen in der Lüneburger Heide gehörend – 24 Mutterschafe a 15 und einen Bock a 20 Mark. Für sie ließ er einen Schafstall in der Größe von 16,00 x 7,60 m in Fachwerk auf der Schlosswiese am Petzoldweg errichten. Die Wolle, wegen Fettigkeit nicht hochwertig genug, verkaufte er an die Fabrik Orientalischer Teppiche Oskar Prietsch in Cottbus. Im Juni 1886 brachte die Eisenbahn zwei Säcke Wolle zu 35 Mark pro Zentner von Muskau nach Cottbus.6 Im Wirtschaftsjahr 1936/37 legt die Standesherrschaft für das Dominium Weißkeissel eine Viehbestandsbewertung von 5.451,62 RM vor, darunter befanden sich auch zugekaufte Schafe.7
Graf Friedrich-Franz von Brühl (1848-1911) – Besitzer der benachbarten Herrschaft Forst-Pförten – betrieb die Intensivierung der Zucht von Merinoschafen. Sie bildete die Basis der Entwicklung der Textilindustrie der Stadt Forst und trug ihr den Namen „das deutsche Manchester“ ein. Die von Nordamerika stammenden Feinwoll-Schafe erreichten im Hochmittelalter Spanien. Von dort gelangten die Merinoschafe ab dem 18. Jahrhundert auch in deutsche Gebiete. Gerade die kargen Böden der Lausitz eigneten sich sehr gut zur Schafzucht. Die hiesigen Vorwerke verfügten Mitte des 19. Jahrhunderts über Negretti- und Rambouillet-Schafe, beides speziell gezüchtete Wolllieferanten. Durch eine intensivierte Zucht vergrößerte sich auch der Handel mit Schafen, wie es das Angebot des Dominiums Gosda 1879 zeigte. Ein Pächter aus Eckartswalde bei Sorau – heute Boruszyn/PL – meldete sich 1880 im Muskauer Anzeiger ebenfalls mit einem Inserat. 1887 kaufte der Obergärtner von Schloss Militsch – heute Milicz/PL – einen Bock aus der Herde der Muskauer Heidschnucken zum Preis von 24,50 M.8

Merino-Negretti, geb. 1886, letzte Schur 15.6.88,
Aussteller und Züchter F. Graf von Brühl, Pförten,
Herde Kohlo (Brandenburg), aus dem Album der
3. Wanderausstellung der deutschen Landwirtschafts-
Gesellschaft zu Magdeburg vom 20.-24. Juni 1889


Infantado- oder Negretti-Rasse,
Bibliografisches Institut Leipzig, 1888
Heidschnucke,
Bibliografisches Institut Leipzig, 1888
Fütterung
Im Sommer sollten die Freigänger als Zufütterung etwas Haferstroh und Heu erhalten, zum Herbst kamen noch Hafer, Kartoffeln, Kohl- und Runkelrüben aber auch Erbsen und Gerste hinzu. Dabei war zu beachten, dass Kartoffeln mehr Fleisch und Körnerfutter mehr Fett ansetzten.9 1829 rechnete der Inspektor des Vorwerks Berg pro Hundert Schafe mit 50 Zentnern Heu. Weiterhin gelangten Ölkuchen und Salz auf den Speisezettel.10 Beim Ölkuchen handelte es sich um den Rückstand beim Leinölpressen, der noch heute Verwendung als Viehfutter findet. Eine besondere Stellung nahm das neben dem Hammergut Keula gelegene Vorwerk ein. Unmittelbar am Flüsschen Legknitzka befand sich die sogenannte „Alte Schäferei“ bestehend aus Schafstall, Scheune und Schäferhaus. Der alte Weg über die Brücke führte damals noch direkt durch das Schäfereigelände – heute Schäferstraße 5 – wie es die Karte von 1823 und das Ölbild von 1925 zeigen. Nachdem die alte Schäferei ihre Funktion verloren hatte, dienten die Gebäude zu Wohnzwecken und später als Kindergarten, der mit dem Ausbau des Schafstalls Anfang der 1960er Jahre eine Erweiterung erfuhr. Auf dem Foto ist noch die gemauerte Wölbung des früheren Stalltors zu erkennen.


„Alte Schäferei Keula“
Ölbild von Paul Hänelt 1925
Urmesstischblatt von Preußen, 1823


Gemalte Ansicht der Schäferei,
Postkartenausschnitt um 1900
Umbau des alten Schafstalls in Keula,
Anfang der 1960er Jahre
Dünger
Aufgrund „seines hohen Stickstoffgehalts gehört der Schafdung zu den wertvollsten aller tierischen Dünger.“11 Wobei der beste nur im Stall gewonnen werden konnte. Beim Weidegang düngten die Schafe jene abgelegenen Böden, für die eine Anfuhr von Dünger zu kostspielig oder geländetechnisch unmöglich gewesen wäre. Deshalb schlug 1825 ein von der Herrschaft hinzugezogener Agrarspezialist für 144 Morgen Brachland am linken Neißeufer Höhe Sagar vor, „dort eine Abtheilung der Schaafherde vom P[ark].-Vorwerk circa 230 Stck. Hammel aufzustellen, diese Sommer und Winter dort zu lassen.“ Laut Berechnung reichte der Dünger jedoch nicht aus, denn es fehlten ca. 100 Zentner. „Mehr Hammel können dort wegen fehlender Weide nicht gehalten werden, denn wenn ihnen auch wirklich etwas Heidefütterung zugegeben werden kann, so ist dies keine Weide zur Erhaltung der Schaafe.“12 Obwohl die Schäfer eine große Berufserfahrung besaßen, stützte sich die Herrschaft im 19. Jahrhundert zur Optimierung der Schafzucht auf das Wissen von Agrarfachleuten.


Schafherde auf der Schlosswiese, 1939
Schäfer
Der Beruf des Schäfers hatte einen hohen Stellenwert und gelangte durch Weitergabe der Erfahrungen von einer Generation zur nächsten. Pachtete ein Schäfer die herrschaftliche Schäferei, so musste er viele Dienste verrichten und genau festgelegte Abgaben leisten. 1783 verlangte die Herrschaft vom Pächter des Vorwerks Berg „drei Mertz Schafe und drei Mertz Schöpse.“13 Von den im Wirtschaftsjahr 1821/22 eingewinterten 600 Schafen erhielt die Herrschaft 20 Schöpse und 12 Lämmer.14

Muskauer Anzeiger, 11. Juli 1885
Schafherde in Krauschwitz, 2025
Zu einem Schäfer gehörten je nach Größe der Herde bis zu vier Schäferknechte sowie ein Schafjunge. 1829 gab es in der Schäferei Berg einen „Oberknecht, Mutterknecht und Kleinknecht“, die je eine Teilherde betreuten, sowie einen Schafjungen, der sich um die Lämmer zu kümmern hatte. Der Schäfer musste bei der Pachtübernahme für sich und die Knechte eine Kaution hinterlegen, die er beim Abgang wieder zurückerhielt. Im Jahre 1828 zahlte der Schafmeister Berger 210 Taler, für jeden Knecht 72 und für den Schafjungen 20 Taler. Die Pachtzeit dauerte ein Jahr und konnte je nach Bedarf verlängert werden. Der Schafmeister übernahm die gesamte Herde sowie das Schäfereigebäude mit Inventar. Dabei unterstand er dem jeweiligen Inspektor des Vorwerks, dem er auch die Abrechnung vorzulegen hatte. Neben der Betreuung der Schafe musste der Schafmeister drei tüchtige Hunde halten, Futter zubereiten und das Vieh für die Herrschaft „schlachten, zerlegen und Wust machen.“15 Zu seinen Aufgaben gehörte ebenso das Kastrieren der Ferkel und Kälber. Seine Ehefrau musste beim Füttern der Lämmer, beim Schafewaschen sowie bei der Schafschur mit Hand anlegen. Als Deputat erhielt er und seine Leute Holz, Getreide und Gemüse.
Der Schafmeister Gottlieb Berger hatte seit 1804 mehreren Schäfereien der Standesherrschaft und seit 1824 der Schäferei Berg vorgestanden. Nach 25 treu gedienten Jahren beendete er 1829 seine Tätigkeit.
„Derselbe hat während dieser Zeit seine Pflicht mit vielen Eifer, Thätigkeit, Treue, Einsicht und Liebe fürs Fach gedient, weshalb er auch Jedermann bestens empfohlen werden kann. Die Ursache seines Weggangs von Hier ist die Reduzierung der Schäferlöhne.“16
Nun übernahm der Schafmeister Kurtze vom Gut Tscheeren bei Triebel – heute Czerna/PL – seinen Platz. Aber auch er kam hier finanziell nicht zurecht, vor allem, weil er die Kaution von seiner letzten Stelle einklagen musste. So bat er die Muskauer Herrschaft um einen Zuschuss. „Denn ist auch die Einnahme hiesiger Schäferey im nächsten Jahr größer und beßer, so würde mir dann doch immer nicht soviel bleiben, um mich als ehrlicher Mann und Familienvater durchzubringen.“17
Die Schäferei des herrschaftlichen Vorwerks Braunsdorf – östlich von Muskau, heute Bronowice/PL – hatte der Schäfer Hans Sillack aus Groß Kölzig etwa 1804 übernommen. Seine Frau Maria stammte aus Gosda bei Döbern, dessen Rittergut ebenfalls Schafzucht betrieb. Von seinen Kindern übten drei Söhne den Schäferberuf aus, zwei ebenfalls in Braunsdorf und einer im Vorwerk Berg. Für zusätzliche Arbeiten stellte er noch einen Schafknecht an. Im 18. Jahrhundert machte der Schäfer die Anzahl der Tiere anhand seines Kerbstocks – auch Kerbholz genannt – fest, den er ordentlich wie ein Kassenbuch führte und damit seine Rechnung bei der Herrschaft belegte.18


Muskauer Anzeiger, 20. September 1876
Muskauer Anzeiger, 4. August 1880
Wolle, Leder und Fell
Eine wichtige Einnahmequelle stellte die Schafwolle dar. Im Jahre 1664 erließ Curt Reinicke von Callenberg eine Marktordung und gestattete Muskau zwei Wollmärkte, je im Frühjahr und im Herbst. Die Weiterverarbeitung der Wolle übernahmen im 17. Jahrhundert die etwa 30 hiesigen Tuchmacher und -scherer. Im Wirtschaftsjahr 1821/22 erbrachten 600 Tiere insgesamt 50 Stein19 Wolle a 13 Taler und ergaben somit eine stattliche Summe von 650 Talern.20 In jener Zeit entspricht diesden Preis von 26.000 Liter Weißbier. 1826/27 waren es bereits 60 Stein. Solche großen Mengen mussten natürlich auf Wollmärkten großer Städte verkauft werden. Damit beauftragte Gräfin Lucie von Pückler-Muskau, da sich ihr Gatte auf Englandreise befand, das Handelshaus Kahle in Cottbus und später Conrad & Klemme in Berlin. Die Preise für einen „schweren Stein“ schwankten 1827 je nach Güte der Wolle zwischen 10 und 12 Talern. Wie alle Finanzgeschäfte in Preußen lief auch die Abrechnung des Wollverkaufs über die zentrale Einrichtung der Königlichen Seehandlung, die bei Bedarf zur Festlegung der Güte der Wolle auch einen vereideten Wolltaxator stellte. Die Muskauer Merinowolle zeichnete sich von guter Geschmeidigkeit und Elastizität aus und bestand aus Jährlings-, Lock- und Mutterwolle. Doch litt die Qualität, wie 1827 durch die Schafpockenimpfung aber auch durch Futtermangel.21
Nach der Schlachtung eines Schafes, fanden nicht nur Fleisch und Fell Abnehmer, sondern Hufe und Hörner gelangten zu Hornspänen gemahlen als wertvoller Dünger in den Boden. Tiere, die verendeten, übernahm der Abdecker und zog ihnen die Decke ab, die er abtrocknete und weiterverkaufte.22 „Das Schaffell, ohne Wolle gegerbt, ergibt ein sehr weiches und geschmeidiges Leder. […] Schaffelle, mit Wolle gegerbt, bieten zum Abfüttern von Mänteln einen guten Wärmeschutz.“23
In der Stadt Muskau befassten sich im 17. Jahrhundert neun Kürschner mit der Verarbeitung von Tierfellen. Hier fällt besonders Familie Pamß auf, denn aus ihr gingen innerhalb des 17. und 18. Jahrhunderts 14 Kürschnermeister hervor. Mit dem Beginn der Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern war Michael Pamß 1652 der erstgenannte Kürschner. Von einem seiner Nachfahren, dem 1737 geborene Johann Gottlob, haben sich Verträge aus den Jahren 1786/87 erhalten. Danach kaufte er in dieser Zeit 579 „herrsch. sterblings Schaaf Felle“ aus den Triebeler – heute Trzebiel/PL – Schäfereien Tannicht, Krohle und Reichersdorf. Die Preise lagen je nach Qualität zwischen einem und vier Talern, für minderwertige Felle musste er nur sechs Pfennige zahlen. Der Grund für den Kauf einer so enormen Menge ist in der Bezeichnung „sterblings“ zu suchen, denn sie bezog sich auf verendete Tiere, die in dieser Zeit den Triebeler Bestand dezimierten. 1785 fiel außerordentlich viel Schnee, die nächsten Jahre zeigten sich im Wechsel mit langwieriger Dürre und Überschwemmungen der Weiden, was die Tiere sehr schwächte und anfällig machte. Das Inventarium der drei Schäfereien zeigte sich noch 1766 mit insgesamt 1.508 Stück Schafvieh.
„Es standen:
579 bey der Tannicht Schäferey
408 bey der Crohler Schäferey
521 bey der Reichersdorfer Schäferey“
Darunter befanden sich sogenannte „alte Schaafe, Zeit Schaafe, Kälber Jährlinge, Kälber Lämmer, alte Schöpse, Zeit Schöpse, Schöps Jährlinge und Schöps Lämmer.“ Im Wirtschaftsjahr 1786/87 verendeten in den Schäfereien fast die Hälfte des Viehs. Auch in den benachbarten Kreisen Spremberg und Guben gab es große Verluste.24




Muskauer Anzeiger, 6. Sept. 1879
Muskauer Anzeiger, 17. Februar 1883
Muskauer Anzeiger, 19. Jan. 1884
Muskauer Anzeiger, 19. Jan. 1884
Schafhaltung
Stets beeinflussten Naturkatastrophen sowie Tierseuchen die Schafhaltung. In einer Verordnung von 1780 ist zur Vermeidung von Krankheiten zu lesen, dass die Ställe gut zu lüften, auszumisten, zu säubern und „unter gehöriger Vorsicht für Feuers-Gefahr, wohl auszuräuchern“25 sind. Punkt 8 schlägt zum Ausräuchern „Wachholder-Reis“ vor. Sowohl die Beeren als auch die Zweige des Wachholders fanden in der Vergangenheit auf vielen anderen Gebieten als probate Mittel ihre Anwendung.
1838 brachen in der Schafherde des Dominiums Oberzibelle – heute Niwica/PL – in der Herrschaft Muskau die Schafpocken als schwere todbringende Viruserkrankung aus. „Als Schutzmittel gegen die Pocken wird eine Zusammensetzung von Johanneswurzel, Eberwurzel, Teufelsabbiß, Schwefel, Teufelsdreck, Kampfer und Kümmel empfohlen.“26 Später begegnete man dieser Krankheit mit Impfungen. Selbst die als Rinderpest bezeichnete Tierseuche befiel ebenfalls Schafe. Sie grassierte 1872 in Böhmen, weshalb die Regierung in Liegnitz ein Importverbot von Tieren und ihren Produkten verhängte.27
Oft fielen die hier vorwiegend in Holzbauweise errichteten Wohn- und Stallgebäude dem Feuer zum Opfer. Wenn es einen Schafstall traf, bedeute das einen besonders großen Verlust, wie 1883 in Lübben geschehen. Der zu jener Zeit fast gänzlich ausgerottete Wolf konnte keine Schäden mehr anrichten, jedoch der Hund als sein Urahne erwies sich ebenfalls als gefährlich, wie die Anzeige von 1884 in Naumburg am Bober – heute Nowogród Bobrzański/PL – berichtete.
In der Zeit nach 1945 kamen die Wiesen des Parks in private Verpachtung. Erst ab 1970 bis zur politischen Wende konnte die Parkverwaltung wieder auf „tierische Gäste“ zurückgreifen. Nach der Haupterntezeit führte der Schäfer der LPG – Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft – seine im Schafstall auf der Jämlitzer Straße stationierte Herde von etwa 100 bis 150 Tieren in den Park. Die Überführung stellte für den Schäfer einen großen Aufwand dar, denn er musste Verkehrsstraßen überqueren und die Termine mit der Polizei abstimmen. So hing der Schafverleih stets von der Freundlichkeit des Schäfers ab.
Im Park angekommen, erhielten die Tiere ihre Wiesen zugeteilt, wobei sich die Tränenwiese mit ihren feuchten Stellen zum Grasen als ungeeignet erwies. Trotz Elektrozaun kam es vor, dass Schafe ausbrachen, vor allem, wenn sie durch Gewitter oder andere Geschehnisse beunruhigt wurden.28
2025 gibt es wieder Schafe im ehemaligen Keula – heute Krauschwitz. Im Tal des Flüsschens Legknitzka ruht die Herde eines Züchters aus Pusack Gemeinde Neiße-Malxetal nach dem Grasen, bewacht von einem Herdenschutzhund, auf der Wiese aus.
Quellen:
1 StAFilA BZ 50175-568 Verzeichnüs was bey den Tauffacta des jungen Herrn von Callenberg an Speiß, getrenck, Gewürz,
Confect […] so geschehen den 20. July 1649.
2 Archiwum Państwowe we Wrocławiu Signatur: 82/15/0/4/344Allerlei gesammelte Nachrichten
und dergl. von der Standesherrschaft Muskau.
3 StFilA 50175-1374 Anstellung des Schäfers Berger zu Berg und dessen Kündigung, 1829-1833.
4 StAFilA BZ 50175-989 Darstellung des Verhältnisses und Beziehungen der Standesherrschaft Muskau in der Oberlausitz,
1821 – 1831.
5 StFilA 50175-1505 Acta des Fürstl. General-Verwaltung den Verkauf einer Anzahl Schafvieh auf dem Vorwerk Berg betreffend, 1832.
6 StFilABZ 50175-2277 Acta der Standesherrschaft Muskau betr. Bau des Schafstalls im Park und Haltung der Haidschnucken, 1884.
7 Archiwa Państwowe, 2049, Wirtschaftsbericht der Graf von Arnimschen Waldgutstiftung, 1939.
8 StFilABZ 50175-2277 Acta der Standesherrschaft Muskau betr. Bau des Schafstalls im Park und Haltung der Haidschnucken, 1884.
9 ebd.
10 StFilA 50175-1374 Anstellung des Schäfers Berger zu Berg und dessen Kündigung 1829-1833.
11 Altenkirch, Walter: Schafzucht und -haltung, Berlin 1957, S. 81.
12 StAFilA BZ 50175-3302 Acta betreffend die Muskauer Wachsbleiche, 1825.
13 StAFilA 50175-541 Protocoll die P[r]aestationes derer sämtlichen in der Herrschaft Muscau befindlichenForwergs, Schencken und
Mühlen, 1783.
14 StAFilA BZ 50175-989 Darstellung des Verhältnisses und Beziehungen der Standesherrschaft Muskau in der Oberlausitz,
1821 – 1831.
15 StFilA 50175-1374 Anstellung des Schäfers Berger zu Berg und dessen Kündigung, 1829-1833.
16 ebd.
17 ebd.
18 Hauptstaatsarchiv Dresden 10036, Finanzarchiv, Rep. 139 c Nr. 2380/3.
19 Ortsabhängig: 1 schwerer Stein zwischen 20 und 22 Pfund.
20 StAFilA BZ 50175-989 Darstellung des Verhältnisses und Beziehungen der Standesherrschaft Muskau in der Oberlausitz,
1821-1831.
21 StFilA 50175-1504 Acta betreffend den Verkauf der Bergschen Wolle, 1827-1831.
22 StAFilA BZ 50175-1573 Acta Verpachtung der Scharfrichterei zu Keula, 1817-1821.
23 Altenkirch, Walter: Schafzucht und -haltung, Berlin 1957, S. 79/80.
24 Hauptstaatsarchiv Dresden 10036, Finanzarchiv, Rep. 139 c Nr. 2380/3.
25 Von der Vorsicht zu Abwendung der Vieh-Seuche innerhalb Landes In: Verordnung für die chursächsischen Lande, 1780.
26 Rothenburger Kreisblatt, 1838.
27 Muskauer Anzeiger, 4. Dezember 1872.
28 Inf. von Ekkehard Brucksch, ehemaliger Leiter der Parkverwaltung Bad Muskau, 2025.
Dank an Marcus Robisch, Tschernitz für die Überlassung von historischen Informationen.
