Ziegeleibesitzer Alexander Sussmann

Ziegeleibesitzer Alexander Sussmann (1837 – 1885)

Holger Klein, Bad Muskau/Helga Heinze, Krauschwitz 2025

2021 meldete sich Dorothea Thünken-Klemperer aus Berlin als Familienforscherin zu ihren jüdischen Vorfahren bei uns, da sie bei Alexander Sussmann auf den Sterbeort Muskau gestoßen war. Sie fragte nach seinen Spuren, die er hier hinterlassen hat. Gerne wollten wir helfen und begannen mit der Zusammenstellung aller Informationen. Zuerst konnten wir auf die Forschungsergebnisse zu den Ziegeleien in unserem Buch „Muskauer Steinzeug“ von 2019 zurückgreifen. Ein Jahr zuvor hatte man bei Bauarbeiten auf der Gewölbeoberseite des Eiskellers auf dem Brauereigelände einen Mauerziegel mit der Aufschrift „SUSSMANN MUSKAU“ gefunden. Der Bau des Kellers fand in den Jahren 1883/1884 statt und passt zur Zeit der Anwesenheit von Familie Sussmann in Muskau.1

 

 Muskauer Anzeiger, 2. August 1884

Muskauer Anzeiger, 15. Okt. 1881     

Der 1837 in Wendisch Buchholz geborene jüdische Kaufmann Alexander Sussmann weilte mit seiner Frau Flora laut Gästeliste ab dem 25. Juli 1874, ab dem 1. Juni 1875 und ab dem 19. Aug. 1876 für einige Tage besuchsweise im Muskauer Hotel „Grüner Baum.“2 In dieser Zeit sondierte Alexander Sussmann die Möglichkeit, hier eine neue kaufmännische Aufgabe zu übernehmen. Die 1864 errichtete Ziegelei an der Straße von Krauschwitz nach Sagar stand zum Verkauf, die Rohstoffe Ton und Kohle lagen in der näheren Umgebung. So kaufte Alexander Sussmann die Ziegelei vormals „Eiserhardt & Kiese“ und modernisierte sie in den Folgejahren. Sie erhielt den Namen seiner Schwiegermutter „Theresia“. Daneben erschloss er neue Braunkohlengruben, die er wiederum mit Vornamen seiner Familienmitglieder bezeichnete. Am 26. Juli 1884 wurde ihr jüngster Sohn Harry in Muskau geboren.Seine Geschwister Arthur, Martin, Rosa, Leopold und Käthe hatten schon in Wendisch-Buchholz das Licht der Welt erblickt.4

1885 suchte Flora Sussmann per Annonce ein Kindermädchen.5 Die Familie wohnte im Hause Nr. 164 ehemals Restaurant „Fürst Pückler“, wie die Anzeige von 1881 zeigt, welches seit 1886 in den Besitz des Zigarren- und Tabakhändlers Friedrich Stegler gelangte.

Leider war Alexander Sussmann in Muskau kein langes Glück beschieden, denn er starb bereits mit 48 Jahren am 4. September 1885.6 Seine Witwe Flora stand mit ihren sechs Kindern allein und versuchte die Ziegelei, so gut es ging zu halten und die Vorräte zu verkaufen. Als Frau benötigte sie einen rechtlichen Vertreter. Den erbat sie sich in Person von Michaelis Steinberg, einem jüngeren Bruder, der womöglich als Tabakagent mit ihrem Vermieter Friedrich Stegler zu tun hatte. Nachdem sie die Firma für eine Verpachtung vorbereitet hatte, löste sie ihren hiesigen Haushalt auf, um in Berlin eine kleinere Wohnung zu beziehen. Aufgrund des angebotenen Hausrats kann man auf einen gutbürgerlichen Wohlstand schließen. In Berlin versuchte sie alleine mit ihren sechs Kindern durchzukommen. Dabei halfen ihr die Einnahmen aus der Verpachtung der Ziegelei „Theresia“. Ihr Bruder Michaelis Steinberg wohnte in Muskau ebenfalls im Steglerschen Hause und verwaltete noch eine Zeit lang die zur Ziegelei gehörige Kohlengrube „Flora Charlotte“. 

Muskauer Anzeiger, 25. August 1886

Muskauer Anzeiger, 3. März 1886

Muskauer Anzeiger, 3. April 1885

Flora Sussmann geb. Steinberg starb mit 52 Jahren am 25. Oktober 1900 in Berlin, Sohn Arthur 1934 in Berlin, Sohn Dr. med. Martin 1944 in Stockholm, Tochter Rosa 1935 in Berlin, Sohn Leopold 1941 in Riga, Tochter Käthe 1946 in Dover, New York und der in Muskau geborene Sohn Harry 1940 im KZ-Sachsenhausen. Michaelis Steinberg, der Bruder von Flora, starb 1918 mit 67 Jahren in Berlin.7

Quellen:

1 Heinze, Klein, Krabath: Muskauer Steinzeug, Muskau, 2019.

2 Muskauer Anzeiger, 1874 und 1875.

3 Muskauer Anzeiger, 19. Juli 1884.

4 Inf. Dorothea Thünken-Klemperer, Berlin, 2021.

5 Muskauer Anzeiger, 12. August 1885.

6 Inf. Dorothea Thünken-Klemperer, Berlin, 2021.

7 Ebd.

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