Steinbank-Eiche im Muskauer Park ist Nationalerbebaum
Redebeitrag von Torsten Roch, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft am 29.5.2026
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kultur- und Naturfreunde. Als Leiter des einzigen sächsischen Biosphärenreservates und Verwalter des größten sächsischen Naturschutzgebietes der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft sowie als Förster freut es mich sehr, vor einem neuen Nationalerbe-Baum stehen zu dürfen.
Es ist mir zudem Freude und Ehre zu gleich heute hier diese Würdigung gemeinsam mit ihnen, Herr Professor Roloff, zu vollziehen, gehörte ich doch zum ersten Studienjahrgang den sie als neuer Botanikprofessor in Tharandt erfolgreich geprüft haben.
Ich weiß nicht, wie es ihnen geht. Wenn ich an den Muskauer Park denke, dann sehe ich das Schloss, aber auch die majestätischen Bäume vor meinem geistigen Auge.Vor allem große knorrige Linden, einige exotische Gewächse und vor allem Eichen.
Bereits zu Pücklers Lebzeiten (1785 bis 1871) waren die Solitäreichen in unseren Wäldern selten. Das hatte zumeist einen einfachen Grund. Die Menschen brauchten das Holz zum Heizen, Holzkohle herstellen und als Bauholz. Nur wenige Eichen blieben ungenutzt, vor allem dort, wo die Haustiere noch in den Wald getrieben wurden, damit sie dort Eicheln fressen konnten, also der Waldweide dienten. Aber auch diese Hutewälder wurden irgendwann nicht mehr benötigt.
Vielerorts devastierten die Wälder trotz erlassener Regelungen zur Wald- und Holznutzung. Zu dieser Zeit kannte man das Nachhaltigkeitsprinzip des Freiherrn von Carlowitz vielleicht, mit der geregelten Forstwirtschaft nach Heinrich Cotta, wurde erst 1811 in Tharandt begonnen.
In unserer Region hat man aus der Holznot eine Tugend gemacht und überall Kiefern gepflanzt.
Natürliche Eichenwälder blieben meist als kleinflächige Relikte an unseren Flüssen erhalten. So wie hier an der Neisse. Trotzdem war das kein Garant dafür, dass die Bäume so alt werden konnten. Kriege, Reparationen, Hunger, kalte Winter, manchmal auch Spielschulden und vieles mehr gab es leider immer wieder.
Man kann auch sagen, dieser Baum hat in seinem langen Leben echt Glück gehabt. Er stand immer zur rechten Zeit am richtigen Ort. Heute schützt ihn dieser Park. Deswegen ist der Schutzgedanke, wie wir ihn heute vor allem mit dem Naturschutzrecht oder dem Denkmalschutz in Verbindung bringen, so wichtig. Wir Menschen müssen lernen uns zurück zu ziehen, uns rauszuhalten und der Natur freien Raum zum Entfalten zu geben.
Uns fehlen überall in der Kulturlandschaft starke Bäume. Die wir heute Methusalem nennen. Mit diesen Bäumen fehlen uns spezialisierte Insektenarten, Pilze und vieles mehr. Diese Urwaldreliktarten sind zumeist noch seltener als alte Bäume.
Aber auch in der Natur lauern viele Gefahren. Diese Eiche wurde nicht als Keimling von Rehen gefressen, der Baum trotzte dem Hochwasser, vielen Stürmen aber auch der Trockenheit. Er wurde auch nicht von Käfern heimgesucht.
Deshalb sollte uns dieser Baum als Beispiel gelten, was wir in einer modernen Forstwirtschaft, ergänzt um Schutzgebiete, in Zukunft für Waldbilder aufbauen sollten. Wir benötigen einfach mehr alte Bäume.
Lassen Sie mich zum Schluss noch auf die Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern verweisen. Diese sind vermutlich 850 Jahre alt, d.h. wenn unser Baum weiterhin Glück hat, kann er nochmal so viele Jahre erleben. Er steht also erst in der Mitte seines Lebens.
Diese Auszeichnung der deutschen Dendrologischen Gesellschaft wird sicher einen Beitrag zum Erhalt von seltenen Bäumen leisten und eine breite Aufmerksamkeit erreichen. Möge dieser Baum ein positives Zeichen setzen, mögen sich viele schützende Hände über unsere alten Eichen legen, möge Hermann Pückler viele Nachahmer finden.
Lassen Sie uns viel mehr Eichen pflanzen, denn wer Eichen pflanzt denkt nicht an sich selbst, denkt nicht an seine Kinder und Enkelkinder sondern denkt an die Zukunft.

Festakt an der Steinbank-Eiche im Muskauer Park.
Foto: Sophie Geisler, Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“.


Mit dem Lösen einer roten Schleife wurde die Steinbank-Eiche offiziell als Nationalerbe-Baum ernannt.
Von links nach rechts: Tim Grahé, (jüngster Gast der Veranstaltung), Astrid Roscher, Cord Panning, (beide Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“), Torsten Roch (Leiter der Verwaltung des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide), und Teichlandschaft), Professor Roloff.
Foto: Sophie Geisler, Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“.
Eine kleine Tafel erläutert den besonderen Titel für die Parkbesucher.
Foto: Astrid Roscher, Stiftung
„Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“
