Friedensmuehle Nr. 288

Friedensmühle - Es klappert die Mühle am rauschenden Bach

Hans Schmidt, MAZ August 2014 Nr. 288

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach …
Das deutsche Liedgut kennt viele schöne Lieder, die das Handwerk und die fleißigen Handwerker besingen. In den Texten geht es um technische Details, um das Berufsbild undu m die Mühen und Sorgen des Lebens. Als Beispiele seien hier nur einige wenige aufgeführt:
Das Bergmannslied… „Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt …“, Der Schornsteinfeger… „Wenn ich morgens früh aufstehe und nach meiner Arbeit sehe …“; „Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt, er setzt seine Felder und Wiesen instand…“, „Wer will fleißige Handwerker sehn? …Ei, der muss zu uns hergehn…“.


Und so auch: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach … flink laufen die Räder und drehen den Stein, klipp klapp … und mahlen den Weizen zu Mehl uns so fein, klipp klapp!“ Um  eine solche Mühle soll es in diesem Beitrag gehen - die Friedensmühle in Muskau.
Nun wäre es allerdings vermessen, Muskau als Mühlenort zu bezeichnen, obwohl wir in der Stadt und in ihrem näheren Umfeld einige Beispiele finden. Die wohl älteste ist die Mühle an der Neiße. Bereits 1555 erwähnt, ist sie in einer Ansicht der Schlossanlagen aus dem Jahre 1742 als mehrstöckiges Gebäude
mit einem großen Wasserrad zu sehen. Pückler nahm die Mühle 1833 in seine Parkpläne auf, obwohl er die vom Amthaus zur Mühle führende Mühlengasse abbrechen ließ, um Raum für die Wasserpartie und die Gärtnerei zu schaffen. Im Jahre 1883 wurde an der Stelle der alten Neiße-Getreidemühle die Muskauer Holzstoff- und Papierfabrik C. Schreck mit gräflicher Beteiligung gebaut.

Die Windmühle Berg um 1930

Um 1870 wird die Windmühle im Dorf Berg genannt. Bis 1932 wurde die Mühle durch die Kraft des Windes betrieben, bis ein
schwerer Sturm das Flügelrad zerbrach. Später verfügte sie nur
noch über einen elektrischen Antrieb. Um die Mühle herum gab
es mehrere Nebengebäude, die teils zu Wohnungen ausgebaut

Einspeisung in den Floßgraben am Rande des Tagebaues Nochten

wurden. In den kriegsentscheidenden Tagen des 2. Weltkrieges
wurde die Mühle als „Vorgeschobener Beobachtungsstand“
eingerichtet und schließlich beim Rückzug der deutschen Wehrmacht gesprengt. Bis zum massiven Ausbau der Straße nach Gablenz konnte man rechtsseitig noch die Trümmer der Windmühle Berg sehen.
An der Landesgrenze zu Brandenburg schlängelt sich das Föhrenfließ zur Neiße hin. Die Hirten-, Hermann-, Weiß- und Sellmühle nutzten die Wasserkraft des Flusses für ihren Betrieb. Auch die Fischer‘sche Papiermühle in Köbeln konnte anfangs ihren Energiebedarf durch das Wasser decken. Und die älteren Leser kennen gewiss noch den Schrotbach und die daran errichtete Kutschigmühle. Auch in Sagar wurde das Wasser des
Mühlgrabens im Sägewerkteich gestaut und reichte für den Betrieb der Brett- bzw. Schneidemühle.Das Element Wasser war bei der Anlage und dem Betrieb der Mühlen dieser Zeit eine entscheidende Voraussetzung. Die Neiße und ihre Zuflüsse, der Schöps und die Spree stellten diesbezüglich ihr zum Teil träge dahinfließendes Wasser zur Verfügung. Südlich

Südlich der Stadt Bad Muskau fließt die Legnitzka, auch Legknitzka,Leknica, Liegnitzka - „das Flüsschen“ – in die Neiße.
An diesem „Flüsschen“ lagen in früherer Zeit bedeutende Betriebe.
Die Hammergüter, später das Eisenhüttenwerk in Keula,
vorgelagert das Graf von Arnimsche Sägewerk. Am Standort
des „Neuen Hammer“ in Keula richtete sich der „Kutschen- und
Wagenbau, Karosseriebau Heinrich Simman“ ein – heut
Modell- und Formenbau Krahl in der Mühlenstraße. Stromabwärts,
auf der früheren Gemarkung Lugknitz liegt die Obermühle
und schließlich am Rande von Muskau die frühere
Friedenshütte und ab 1889 die Friedensmühle.
Herr Wolfgang Koschke hat in seinen Publikationen „Muskauer
Eisen“ und „Keulahütte“ ausführlich die regionalen Besonderheiten
und die industrielle Entwicklung dieses Industriezweiges
beschrieben.
Aus diesen Betrachtungen heraus spielte das Vorhandensein des
Wassers bzw. der Wasserkraft eine ganz wichtige Rolle.
Eisgang, Hoch- oder Niedrigwasser, trockene Sommer und ein
gewisses Konkurrenzdenken der Anlieger hatten erheblichen
Einfluss auf die Kontinuität des Mühlen- und Hammerbetriebes.
In den letzten einhundert Jahren haben sich unsere Natur und
vor allem deren Wasserhaushalt erheblich verändert. Der
Floßgraben im Bereich Bresina, Weißkeißel und Hammerlugk
war eine wichtige Wasserader. Man kann sich heut kaum vor-

stellen, dass auf ihm das Holz der Muskauer Heide zur
Schneidemühle Keula geflößt wurde, eine Aufgabe, die später die Graf von Arnimsche Kleinbahn übernahm. Der Floßgraben entsprang in den Feuchtwiesen bei Weißkeißel. Einen Zulauf erhielt er aus dem Lange Damm-Teich, der aber schon durch die Standesherrschaft Muskau trockengelegt wurde. Der Wasserstand in den Feuchtwiesen war so groß, dass schon ein kleiner Wiesenstau ausreichend war, um einen Teich anzulegen und diesen für die Fischhaltung zu nutzen. Ebenso schnell verlandeten
solche Tümpel aber auch wieder.
Im Verlauf des Floßgrabens gab es mehrere solcher Staustufen, die vor allem eine Teichanlage unmittelbar vor dem Sägewerk Keula – den Klötzeteich – ermöglichten. Diese vorgelagerten Teiche bildeten ein wichtiges Wasserreservoir, schufen eine entsprechende Fallhöhe des Wassers und im Fall des Klötzeteiches wurde die Lagerung des für den Betrieb des Sägewerkes erforderlichen Rundholzes ermöglicht. Nachdem der Floßgraben in Höhe des Autohauses Weiner in Weißkeißel die Bundesstraße 115 unterquert hat, fließt er weiter in Richtung der Kaupener Wiesen. Der längst verlandete Schamack-Teich bildete in früherer Zeit ebenso einen Zulauf, wie der Lugknitz- oder Leschnitzka-Bach.

Der Graben erreicht jetzt das Naturschutzgebiet Hammerlugk, wird hier angestaut und bildet mit dem märchenhaften Erlenbruchwald ein vielfältiges Biotop. In Höhe der Einfahrt zum Betriebsgelände des Firmenverbundes Nadebor unterquert der Floßgraben abermals, aber in anderer Richtung die Bundesstraße. Der anschließende ehemalige Klötzer-, seltener Hammer- oder Zahnteich ist nicht mehr vorhanden, ebenso der Hüttenteich auf dem Gelände der Keulahütte. Die genannten

Im Naturschutzgebiet Hammerlugk

Der Floßgraben verläßt das NSG Hammerlugk unter der ehemaligen
Waldbahntrasse

Teiche wurden zugeschüttet bzw. verlanden mehr und mehr.
Nachdem der Floßgraben das frühere Graf von Arnimsche Sägewerk Keula – produzierte bis 1963 und ist heut Firmensitz des Baugeschäftes Neumann – verlassen hat, mündet unmittelbar
hinter dem Carolinenweg der künstlich angelegte Abschlagsgraben des Braunsteichgrabens in den Wasserlauf.Der Floßgraben hat auf seinem abwechslungsreichen Weg das ehemalige Hammerwerk bzw. das Eisenhüttenwerk – die raditionsreiche Keulahütte erreicht. Hinter der Überführung auf
dem Betriebsgelände trieb das Wasser in früherer Zeit zwei
Wasserräder und bekam ab hier die Bezeichnung „Legnitzka“ –
„Wiesenflüsschen“.
Durch die ehemalige Gemarkung Lugknitz eilt der Fluss nun der Neiße zu. Am Weg liegt die Obermühle mit dem vorgelagerten Mühlenteich und die jüngste der genannten Mühlen, die Friedensmühle.Dazu aber in der nächsten Ausgabe.Gravierende Veränderungen in unserer Landschaft haben insbesondere den Wasserhaushalt nachhaltig beeinflusst. Die ausgedehnten Feuchtgebiete entlang des Langen Dammes bis hin zu den Nochtener Wiesen sind durch  umfangreiche Meliorationsmaßnahmen weitgehend trocken gelegt. Der Ausbau der Rinderzucht in Weißkeißel in den 60er Jahren verlangte nach
weiträumigen Weideflächen. Ca. 80 Prozent der Weißkeißeler Wiesen wurden Weideflächen. Das führte dazu, dass in Zeiten
großer Trockenheit sogar bewässert werden musste.
Eine weitere Ursache war die Wasserabsenkung des nahen Tagebaues Nochten. Dem etwa 74 ha großen Naturschutzgebiet Hammerlugk, mit seiner reichhaltigen Flora und Fauna, drohte die Austrocknung. Der Wasserhaushalt war empfindlich gestört. Es musste eine zusätzliche Wasserversorgung geschaffen werden
Hinter der letzten Bebauung Weißkeißel/Bresina wurde der Floßgraben verrohrt. Die Rohrleitung unterquert die Regionalbahnlinie Weißwasser - ehemalige Blockstelle - Rietschen
und die Bundesstraße 156. Unmittelbar an der Tagebaukante ist
die Floßgrabenleitung in die Hauptleitung eingebunden, aus der so genanntes Sümpfungswasser aus dem Tagebauvorfluter eingespeist wird.
Ab der Ortslage Weißkeißel/Bresina gelangt das Wasser wieder
in das offene Flussbett.
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe. 

Text und Fotos
Hans Schmidt

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