Friedensmuehle

Geschichte der Friedensmühle

Hans Schmidt, Auszug aus Muskauer Anzeiger 2014 Nr. 289


Viele schöne Erlebnisse hatte ich als Kind in der Friedensmühle.
Frau Rosel Schneider war eine gute Müllersfrau, die uns Kinder mal mit Ostereiern oder Weihnachtssüßigkeiten
überraschte. Und beim jährlichen Schweinschlachten war die Kanne gut gefüllt mit Brühe und Würsten.
Kein Wunder also, dass mich die Geschichte der Friedensmühle besonders interessierte. Wenn auch heute der Müllerberuf nur noch in Liedern und
Gedichten auftaucht, so war es doch einst ein angesehener und wichtiger Beruf, mit dem der Müller auch zu einem gewissen
Reichtum kommen konnte.

 

Kriegsfolgen in der Friedensmühle

Reichlich 100 Jahre arbeitete im romantischen Tal der Legnitzka
die Friedensmühle vorrangig als Getreidemühle. Seit dem
Frühjahr 2014 gibt es die Mühle nicht mehr, sie wurde abgerissen
und der Standort beräumt.

Einige Nebengebäude lassen das
einstige Betriebsgelände noch erkennen. Fast am Ende des
Wasserlaufs der Legnitzka stand die letzte Mühle unseres Ortes.
Durch das Wasser des Floßgrabens und des Braunsteichgrabens
gespeist, mündet die Legnitzka in Höhe der Muskauer Bahnbrücke
in die Lausitzer Neiße. Leider sind der Fluss selbst und die durch das Tal führenden Wanderwege äußerst vernachlässigt
und teilweise nicht mehr erkenn- bzw. begehbar. Einst führte
die verlängerte Mühlenstraße aus Krauschwitz kommend fast
parallel zur Regionalbahnlinie durch die Obermühle und von
hier entlang des ehemaligen Bergbaugebietes zur Friedensmühle.
Die Eigentümer der Obermühle haben diesen schönen
Talweg durch Umzäunung ihres Grundstückes unterbrochen.
Von der Bahnhofstraße, abbiegend in den Grünen Weg, erreichte
man stromaufwärts ebenfalls die Mühle. Durch zunehmenden
Fahrverkehr ist auch dieser Weg in sehr schlechtem Zustand.
Über die verlängerte Bahnhofstraße bzw. die Verladestraße
gelangt man auch nicht mehr zur Mühle, der Bahnhof ist
Privatgrundstück und der Durchgang mit einem eisernen Tor
versperrt. Bleibt noch der Zugang von der Bundesstraße 115
her durch die abgerissene Bahnunterführung. Auch dieser Weg
ist in einem katastrophalen Zustand. Letztendlich aber ist das
gesamte ehemalige Mühlengelände seit 2010 im Privatbesitz
und Herr Daniel Kunze kann den Durchgang jederzeit untersagen,
um seiner Versicherungspflicht nachzukommen.

Vom schweren Beginn

Als Kind hatte ich eine besondere Beziehung zur Friedensmühle.
Mein Vater, Emil Schmidt, wurde nach seiner Entlassung  aus der Gefangenschaft von Herrn Theodor Schneider als Kraftfahrer in der Mühle eingestellt. Damals wurde mit viel Mühe die teilweise ausgebrannte Mühle wieder aufgebaut. Unser Garten war auf dem Grundstück der Villa von Paul Leißner in der Bahnhofstraße, Ecke Grüner Weg. Meine Aufgabe bestand darin, dem Vater das Mittagessen zu bringen .und auf dem Weg dorthin den Garten zu gießen. Die Mühle war für ein Stadtkind äußerst reizvoll. Hier gab es Hühner, Katzen, Schweine, Pferde 

Die Belegschaft der Friedensmühle 1950

 

 

und einen großen Holzvergaser-LKW. Und
für den musste das Holz gehackt werden, wenn es am Wochenende mit den Handballern von Berg nach Pulsnitz, Bautzen, Niedergurig oder anderswohin ging. Auch für mich lohnend waren die Speditionsfahrten des Mühlen-LKW für die Töpferei Bernhard Max in der Schmelzstraße. Hier wurden Freitagabend die gefertigten Tonwaren in Holzwolle verpackt, auf den Lastwagen meines Vaters gestapelt und Sonnabendmorgens ging es auf die Märkte ins Oberland. Ein leckeres Mittagessen in einer Görlitzer Gaststätte war Lohn für die anstrengende Arbeit.

Emil Schmidt und sein
Holzvergaser 1951

Herr Hanspeter Smers hat in den „Beiträgen zur Stadtgeschichte
Bad Muskau“ Nr. 5, Heft 2 die Geschichte der Friedensmühle
beschrieben und diese Ausführungen bilden die
Grundlage der folgenden Geschichtsbetrachtung.
Im Jahre 1857 wurde von den damaligen Besitzern der Obermühle,
der Familie Eichler, an der Legnitzka ein Eisenhammer
errichtet. In einer öffentlichen Bekanntmachung von 1860 heißt
es: „Dem in der zur Stadt gehörenden Vorstadt Neustadt im
Jahre 1857 erbautem Hammerwerke ist auf Antrag der
Besitzerin, Witwe Eichler, der Name Friedenshütte beigelegt
worden., was hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird"

X. Karneval in Bad Muskau; Jubiläumsfestschrift 1965

Bautzen Müllerwiese 1951; v. li. Dieter und Karl Marquard, Kurt
Ballack, Emil Schmidt

Mündlichen Überlieferungen nach führte folgender Anlass zu
dem Namen „Friedenshütte“:
Bei den Besitzern des Grundstückes, der Familie Eichler, gab es
zur Zeit der Gründung des Eisenhammers Ehestreit. Die bald
folgende Versöhnung der Ehepartner mit einem „Friedensschluss“
beeinflusste die Namenswahl.
Das Hammerwerk erhielt nach dem Tod ihres ersten Ehemannes
und der vermutlichen Wiederverheiratung der Witwe
Eichler die Bezeichnung „Bert‘sche Friedenshütte“. 1862
wurde das Werk der Gemeinde Lugknitz zugeordnet (1940
wurde Lugknitz nach Muskau eingemeindet. Nach dem 2.
Weltkrieg bildete Muskau-Ost und Lugknitz den polnischen Ort
Łęknica. 1969 erhielt Łęknica das Stadtrecht verliehen und
zählt heut etwa 2680 Einwohner).
In den frühen Morgenstunden des 16. Mai 1884 brannte der
Eisenhammer aus ungeklärter Ursache völlig ab. Der alarmierten
Feuerwehr gelang es nur, das Wasserrad und das neben dem
Hammerwerk gelegene Wohnhaus zu retten. Dieser Fachwerkbau
wurde bis zum Abriss 1922 bewohnt. Das übrige Grundstück
blieb bis 1889 ungenutzt.
1889 wird das Ruinengrundstück der ehemaligen Friedenshütte
von Robert Schneider aus Boxberg erworben. 1890 wurde darauf
eine Getreidemühle in Betrieb genommen. Das erhalten
gebliebene Wasserrad des Eisenhammers wurde für die Mühle
weitergenutzt.
Für die Genehmigung von Firmenbezeichnungen war um 1890
die Muskauer Polizeibehörde zuständig. Der Besitzer der neuerbauten
Mühle beantragte bei dieser Instanz den Namen „Neumühle“.
Von der Polizeibehörde wurde er aber darauf hinge-

Die Mühle im Jahre 1908

Das Wasserrad der ehemaligen „Friedenshütte“ wurde nach dem
Bau der „Friedensmühle“ ab 1890 weiter genutzt

wiesen, dass der gewünschte Name nicht sinnvoll sei: In einigen
Jahren würde der Name „Neumühle“ nicht mehr zutreffen,
da es sich dann bereits um eine „alte Mühle“ handeln würde. Es
wurde daher der Name „Friedensmühle“ in Anlehnung an den
Namen des früheren Eisenhammers gewählt.
 

Bis zum Jahre 1964 verfügte die Friedensmühle über folgende
technische Ausstattung:
- Getreidemühle
- Mahlgänge und Schrotgang mittels Mühlsteinen von je etwa
  1200 mm Durchmesser; ab 1907 Einbau moderner Walzenstühle.
- Ölmühle - bereits 1890, mit dem Neubau der Mühle stand sie
  auf einem zu dieser Zeit hohen technischen Niveau.
- Grützemühle -
- Schälgang mit Mahlsteinen von je etwa 600 mm Durchmesser;
  Windsichter mit Handbetrieb, von Robert Schneider selbst   
  mit interessanten technischen Lösungen gebaut und als  „Windfege“ bezeichnet. Damit war beim Heidekorn (Buchweizen)  das Sortieren der Grütze von den schwarzen Spelzen möglich.


Das bereits erwähnte Wasserrad der früheren Friedenshütte von
1857 hatte einen Durchmesser von etwa 3000 bis 3500 mm. Es
wurde nach 1920 erneuert und um 1960 abgebaut. Nach 1907
erfolgte der Einbau eines Aushilfsmotors auf Rohölbasis. Im
Jahre 1914 wurde die Mühle auf elektrischen Betrieb umgestellt,
bis 1930 aber die Wasserkraft zusätzlich genutzt. Der für
den Wasserantrieb angelegte Mühlenteich war mit der Aufgabe
des Wasserantriebes überflüssig. Er verlandete allmählich und
ist heut in seinen Umrissen kaum noch erkennbar.


In der Friedensmühle wurden hergestellt und verkauft:
- Roggen- und Weizenmehlkleie;
- alle Futtermittel aus Getreide;
- Leinöl und Leinölkuchen;
- Hirse;
- Buchweizengrütze u. a. für Grützwurst;
- Graupen aus Sommergerste, in Notzeiten auch aus Wintergerste.
 

In großem Umfang erfolgte das Schroten von Futtergetreide für
die Bauern und Kleinerzeuger, später auch für die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften des Kreises Weißwasser.


Text und Fotos
Hans Schmidt

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