Fortsetzung des Beitrages aus MAZ 288/289
Zur Geschichte der Friedensmühle
Die Friedensmühle leistete einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bewohner der Stadt Muskau und ihrer Umgebung.Das trifft besonders auf die Zeit nach den beiden Weltkriegen zu. Die Mühle war ein wichtiges Bindeglied zwischen der Landwirtschaft und der im Bergbau, Industrie, Handwerk und Handel beschäftigten Bevölkerung. Seit dem Bau der Friedensmühle 1889 waren mit ihr ein Fuhrbetrieb und Landwirtschaft verbunden. Von 1907 bis etwa 1927 war eine Bäckerei angeschlossen. Die Backwaren wurden mit einem eigenen, mit Pferden bespannten Kastenwagen in Muskau und Umgebung ausgeliefert. 1930 wurde ein Gartenrestaurant eröffnet, das sich bald durch die ruhige Lage zu einem bei den Muskauern sehr beliebten Ausflugslokal entwickelte.Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 wurde die Restauration geschlossen.
Getreidemühlen sind im Allgemeinen durch ihre ursprünglich überwiegende Holzbauweise und die Ablagerungen des bearbeiteten Materials besonders brandgefährdet. Obwohl alles getan wurde, um Brände zu verhüten, blieb die Friedensmühle vor Bränden nicht verschont. Nach einem Großfeuer am 21.06.1927 und den Kriegsfolgen im Monat Mai 1945 wurde die Mühle jeweils stark beschädigt und mit großen Anstrengungen wurde sie immer wieder aufgebaut.
Hans Schmidt, 2014
Am 8. Januar 1964 brach in der Friedensmühle ein Feuer aus. In der Presse war zu lesen:
Am Mittwoch gegen 14.20 Uhr brach in der Friedensmühle ein Dachstuhlbrand aus. Die Feuerwehren von Weißwasser, Bad Muskau, Krauschwitz, Rietschen und Boxberg sowie die NVAFeuerwehr aus Haide waren schnell zur Stelle. Sie verhinderten ein Übergreifen des Feuers auf die im Mühlengebäude befindlichen Speicher und Silos, auf die Motoranlage und auf das Wohnhaus.
Wenige Tage später:Brandursache geklärt. Das Heißlaufen eines Lagers des Doppelmahlstuhls hat den Brand verursacht, dem kürzlich ein großer Teil der Friedensmühle in Bad Muskau zum Opfer gefallen war. Das ergaben die polizeilichen
Ermittlungen. Entsprechend einer Entscheidung des Rates des Bezirkes Cottbus erfolgte aufgrund des veränderten Bedarfs der Wiederaufbau nicht mehr als Getreidemühle, sondern als Kraftfuttermischwerk.


Erinnerung an die Getreidemühle
8. Januar 1964, Feuer!



Ein Idyll! Winter 2009
Einsatz schwerer Technik
Das Ende ist eingeläutet, März 2014
Nach 1964 wurden vor der Mühle Blechsilos für das Beladen der Lastkraftwagenz um Abtransport des Kraftfutters gebaut. Die Anlage führten nach statischen Berechnungen von Gerd Schneider die Schlosser der Firma Kreisel/Krauschwitz aus. Ab 1. Oktober 1968 wurde für das Werk eine staatliche Beteiligung aufgenommen. Zu dieser Zeit war die Mühle im Besitz von Theodor Schneider, seine Besitzzeit begann im Oktober 1932 und endete am 31.10.1975.

Am Ende die Brecheranlage, 25. April 2014
Ab 1968 erhielt der Betrieb die Bezeichnung „Kraftfuttermischwerk
Friedensmühle KG“.Am 24. April 1972 wurde die Mühle volkseigen und firmierte unter der Bezeichnung Kraftfuttermischwerk Bad Muskau im VE Kombinat Getreidewirtschaft Cottbus“ und seit dem 1. Juli 1990 bezeichnete sich das Werk „Betriebsteil Kraftfuttermischwerk Bad Muskau in der Getreidehandel GmbH Cottbus“. Im Herbst 1990 stellte das Kraftfuttermischwerk den Betrieb ein.
Am 1. Oktober 1992 wurde die Friedensmühle reprivatisiert, Besitzer wurde Herr Gerd Schneider, ein studierter Müller und Sohn des letzten Mühlenbesitzers Theodor Schneider. Gerd Schneider betrieb in der Friedensmühle vom 1. November 1993 bis 31. Dezember 1994 einen Gebrauchtwarenhandel mit Möbeln, Polsterwaren und Teppichen
Lutz Natusch unterhielt vom 1. November 1993 bis 31. Oktober 1995 in den Gebäuden der Mühle einen Baustoffhandel.Seitdem waren
die Gebäude der Friedensmühle wirtschaftlich ungenutzt. Im Herbst 2010 geht dasMü hlengrundstück durch Kauf von Herrn Gerd Schneider in den Besitz von Herrn Daniel Kunze über.
Nachdem der neue Besitzer seinen Wohnsitz im Nebengebäude der ehemaligen Mühle eingerichtet hat, begann im Frühjahr 2014 der Abriss des maroden, für eine Alternative ungeeigneten Gebäudes. Nach erfolgter Entkernung und aufwendiger Sortierarbeit wurde unter mehrwöchigem Einsatz schwerer Technik das Mühlengebäude beräumt. Der Spaziergänger wird erfreut feststellen, dass im Bereich des Mühlengrabens die freigeschlagene Legnitzka wieder sichtbar ist. Wünschen wir Herrn Kunze die Gesundheit und die Kraft, dieses geschichtsträchtige Grundstück kommenden Generationen zu erhalten.
Text und Fotos:
Hans Schmidt
Der letzte gelernte Müller aus
Muskau, Gerd Schneider, 9. Juni
2014: Mühlentag im Museum
Sagar


Da ist sie wieder - die Legnitzka, 4.06.2014
