Loge Freundeskreis

Reichsarbeitsdienst-Abteilung 1/107 in Muskau

Helga Heinze, Krauschwitz, 2026

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) gehörte zu den Organisationen im Nationalsozialismus. Ab 1935 gab es ein Gesetz zur Einberufung Dienstpflichtiger für ein halbes Jahr, die für bauliche Maßnahmen eingesetzt werden konnten. Daneben erhielten sie auch eine politisch-ideologische Ausbildung. Sie marschierten anfangs mit ihrem Arbeitsgerät, dem Spaten, auch im Zeichen des RAD zu finden, ab 1944 mit der Waffe.

Der Arbeitsmann Heinz Sergon aus dem Dorf Berg hat 1935 in Muskau seinen halbjährigen Dienst geleistet. Davon zeugen sowohl das erhaltene gerahmte Gedenkblatt als auch ein Aschenbecher mit RAD-Zeichen und „1/107=Muskau“ am Boden. Das nach einem Aquarell von Hans Friedmann in München zentral hergestellte Gedenkblatt trägt die Angaben des Dienstleistenden sowie den Muskauer RAD-Stempel.

Titelseite und Innenseite des Fotoalbums von Arbeitsmann Fritz Knau

2017 erreichte die städtische Sammlung ein Brief von Heimatforscher Harri Petras aus Hattingen in Nordrhein-Westfalen. Dazu übergab er ein Fotoalbum, von dem er meinte, es gehöre an seinen Ursprungsort zurück. Dieses Album entstand einst zur Erinnerung an den Reichsarbeitsdienst in unserer Stadt. Die darin befindlichen Fotos erhellen Existenz und Funktion der Reicharbeitsdienst-Abteilung I/107 „Richard Selinger“ in Muskau, heute Berliner Straße 47. 

Fotoalben mit einem speziell für jede Abteilung des Reichsarbeitsdienstes versehenen Prägedruck entstanden bei der Großbuchdruckerei Hesse & Becker in Leipzig. Die Herausgabe von nationalistischen und militärischen Druckwerken, darunter auch Ansichtskarten, übernahm der Deutsche National-Verlag, in unserem Falle eine Zweigstelle in Frankfurt an der Oder. Leider enthält das Album keine Jahreszahlen, so dass die Zeit des Aufenthalts in Muskau nur ungenau festzulegen ist. Die Identifizierung des Besitzers gelang nur im Vergleich mit einem beschrifteten Jugendfoto, auf dass uns der Heimatforscher mit einem eingelegten Blatt hinwies. Demzufolge ist sein Name Fritz Knau.

Ansichtskarte gedruckt im Deutschen National-Verlag Frankfurt-Oder, um 1940

 Besitzer des Fotoalbums, Fritz Knau      

Haus gegenüber dem „Goldenen Stern“     

Die Zimmer im ehemaligen Gasthof „Zum goldenen Stern“ nutzte der RAD als Aufenthaltsräume. Am 17. Oktober 1933 zog die erste Abteilung hier ein.1 Durch die umfangreiche Mitarbeit der Dienstleistenden erhielt das ziemlich baufällige alte Gasthaus eine gründliche Renovierung und avancierte zu einem ansehnlichen Gebäude, das 1948 zum Sitz der kommunalen Verwaltung der Stadt Muskau wurde. Die Grundsteinlegung für das gegenüberliegende Gebäude anstelle alter Schuppen fand 1934 statt und schon zwei Jahre später bezog dieses ebenfalls der RAD. Die Dienstmänner beteiligten sich an kommunalen Projekten wie der Stadtrandsiedlung, dem Neißebad und den Anlagen auf dem Sportplatz gegenüber dem ehemaligen Gasthof.2 Auch beim Abriss der 1890 stillgelegten Glashütte „Silesia“ leisteten sie Hilfsarbeiten.3

Viele der Fotos im Album tragen auf der Rückseite den Stempel des Muskauer Fotografen Paul Bänder. Somit sind sie tatsächlich in Muskau entstanden. Eines zeigt Fritz Knau beim Harzen. Die Graf von Arnimsche Waldgutstiftung beschäftigte neben Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen auch die Arbeitsdienstleistenden, speziell bei der Harzgewinnung. Im Wirtschaftsjahr 1939/40 erreichte die Muskauer Stiftung die staatliche Information, dass „Das Harzamt beabsichtigt, die Harzung ganz einzustellen.“4 Also müssen die Fotos vor 1939 entstanden sein.

Fritz Knau beim Harzen und im Gruppenfoto mit Hacke im Gräflichen Forstrevier

Da sich 1940 im Muskauer „Männergesangverein 1845“ bereits 18 Sänger im Krieg befanden, sollten die in Muskau stationierten Arbeitsdienstler zum Mitmachen angesprochen werden.5 Ob dieses Gespräch fruchtete, ist nicht bekannt.

Dass Fritz Knau auch über den Winter hier gedient hat, kann man auf den letzten Aufnahmen sehen, wo er beim Revierreinigen und im Wald fotografiert ist. Obwohl er nicht unter den verkleideten Zimmerkameraden war, so wollte er doch das Foto laut Beschriftung als Erinnerung an den Reicharbeitsdienst behalten. Wie die eingeklebten Bilder einer Muskauer Serie beweisen, hat sich Fritz Knau auch für die Sehenswürdigkeiten der Stadt interessiert. 

Spaß auf dem Zimmer und Fahrradeinsatz im Gelände

Beim Revierreinigen und bei der Waldarbeit im Winter

Zuletzt möchten wir uns noch einmal beim Hattinger Heimatforscher Harri Petras für seine Umsicht bei der Weitergabe dieses für uns wichtigen Geschichtsdokuments bedanken..

Fritz Knau und Muskauer Sehenswürdigkeiten, Seite seines Fotoalbums

Quellen:

1 Muskauer Anzeiger, Ausschnitt o.D.

2 Schmidt, Hans: Muskauer Anzeiger, „Zum goldenen Stern“, Arbeitsdienstlager, Stadtverwaltung, 15. 6. 2016.

3 Inf. Werner Manno aus Chronik Jurk, Köbeln.

4 Verwaltungs-Bericht des Vorstandes der Graf von Arnimschen Waldgutstiftung Standesherrschaft Muskau für das Wirtschaftsjahr 
   1.10. 1939/40, Seite 9.

5 Chronik Männergesangverein 1845.

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