Die Chronik der Schule zu Köbeln

Helga Heinze, Krauschwitz 2026

Es ereignete sich in einer Schulbehörde kurz vor dem Ende der DDR. Alles, was nicht für wichtig erachtet wurde, sollte in den Müll, darunter ein schwarzes dickes Buch mit der Aufschrift „Chronik der Schule zu Köbeln.“ Das konnte einem geschichtsinteressierten Lehrer nicht einerlei sein und so nahm er es kurzerhand an sich und lagerte es gut geschützt auf dem Dachboden. Nach vielen Jahren kam es zur Aufgabe des Hauses, wieder musste Unbrauchbares in den Müll, wieder fiel dem Besitzer dieses Buch in die Hände. Das gehört ja eigentlich in ein Museum, dachte er, und so kam es ins Handwerk- und Gewerbemuseum nach Sagar. Dort gab es schon die Schulchronik von Skerbersdorf und einige Dokumente zur Schule Sagar. 2026 entschied das Museum, die Chronik an den Freundeskreis Historica Bad Muskau e.V. zu übergeben, da Köbeln zur Stadt Bad Muskau gehört.

Zwischen den Buchdeckeln liegen 180 Jahre Schulgeschichte des Ortes Köbeln, die eine Zeit lang gemeinsam mit den Dörfern Braunsdorf und Zschorno einherging. Die meisten Lehrer sind mit ihrem Eintritt in den Schuldienst, ihrem Einkommen sowie ihren Rechten und Pflichten erwähnt. Manche blieben nur kurz, manche länger. 

Hermann von Pückler-Muskau ließ das Dorf Köbeln wegen der Erweiterung seiner Parkanlage nach 1815 von der östlichen auf die westliche Seite der Neiße umsiedeln. Dabei kamen die Grundstücke von zehn Bauerngütern, einer Büdner- und einer Häuslernahrung in herrschaftlichen Besitz. Bis 1945 gehörte das eigenständige Dorf zur Standesherrschaft und zum Amtsbezirk Muskau. 1950 kam es aufgrund der Eingemeindung zur Stadt Muskau. 

 

Die Schule Köbeln

Die Schulgeschichte beginnt 1765 mit dem Plan des Muskauer Archidiakons Johann Heinrich Friedrich Herwig (1720 – 1777), in der Standesherrschaft fünf neue Landschulen zu gründen, darunter auch die für Braunsdorf und Köbeln. Jedoch verschob sich die Realisierung aufgrund des verheerenden Muskauer Stadtbrandes von 1766 bis in das Jahr 1769. Inzwischen war der Plan auf sieben neue Schulorte erweitert:

      1. Weißkeißel, Heyde und Brandt
      2. Skerbersdorf und Sagar

      3. Weißwasser und Krauschwitz
      4. Braunsdorf und Köbeln
      5. Keule und Lugknitz
      6. Mühlrose und Mulkwitz
      7. Mocholz, zu welchem Altliebel, Viereichen, Publik, Nappatsch und Zweibrücken gehörten

Sieben Schulneubauten im Jahr 1769

Johann Heinrich Herwig schrieb dazu: In diesen sieben neuen Schulen können, wenn sie kontinuierlich kommen, „290 Kinder der Unwissenheit entrissen werden.“ Die vierte Schule war jene für Braunsdorf-Köbeln. „Ich will nun in folgender Tabelle zeigen, wie weit es in dem ersten Jahre mit den profectibus [Fortgang] derer Kinder gebracht hat werden können. Der übrige Unterricht außer denen obgedachten Lectionen, ist das Lesen in der heiligen Schrift, Vorsprechen des Katechismi, nebst dem Unterricht und Erklärung desselben.“ 

Tabelle der 44 Schulkinder in Braunsdorf und Köbeln, unterteilt in Knaben und Mädchen,       

 lesende, schreibende, buchstabierende und das ABC beherrschende Kinder, 1770

Der erste Lehrer – damals Schulhalter genannt – war Christian Ernst Senft. Er besorgte vormittags den Unterricht in Braunsdorf und nachmittags in Köbeln, vorerst in einer Stube bei den jeweiligen Ortsrichtern. Als sich das Dorf Köbeln noch auf der Ostseite der Neiße befand, betrug die Entfernung zwischen beiden Orten eine halbe Stunde Fußweg. Neben Naturalien wie Saatgetreide, Holz und Flachs erhielt der Lehrer jährlich „von jedem Bauern 18 Groschen, von jedem Gärtner 12 Groschen und von jedem Büdner 8 Groschen“ Schulgeld. Weil er sehr beengt wohnte und sich der geplante Schulneubau verzögerte, verließ Schulhalter Senft seine Stelle schon nach wenigen Monaten. Nach der Bereitstellung der Baukosten und der Beendigung der Bauplanung gelangte der Schulneubau in Braunsdorf im Jahre 1770 zur Fertigstellung. Eingeschult wurden 44 Kinder – 20 aus Braunsdorf und 24 aus Köbeln (s. Tabelle). 

 

 

Lehrer Johann Gotthelf Günther und seine Söhne

1774 kam der vorher als Schulhalter in Keula tätige Johann Gotthelf Günther mit Ehefrau und Kindern nach Braunsdorf-Köbeln. „Günther war der Sohn eines Lehrers aus Baruth, der seine Vorbildung zum Schulfache in Berlin genossen hatte.“ Geboren war er in Kemlitz bei Baruth in der Mark. 35 Jahre verwaltete er die Schulhalterstelle in Braunsdorf-Köbeln und starb am 24. November 1809 im Alter von 64 Jahren. Nachdem sein Sohn Johann Christian Gotthelf in Muskau das Tischlerhandwerk erlernt hatte, ging er in die Fremde. Aufgrund des frühen Todes seines Vaters kehrte er zurück und bewarb sich für die Schulhalterstelle, die er ab 19. Dezember 1809 bekleidete. Bis zu seinem Antritt vertrat ihn Carl Günther – wahrscheinlich sein Bruder.

„Das Schulgeld von Bauern, Gärtnern und Büdnern betrug damals im Ganzen etwa 36 Thlr., es musste fortwährend eingeklagt werden, denn die Wirthe hatten, besonders zur Kriegszeit, selbst nichts. Deshalb übernahm der Lehrer Christian Gotthelf Günther das Schreiben von Behördenbriefen, um sich damit einen Nebenverdienst zu erwerben. Später, als seine [sechs] Kinder größer wurden, nährte sich die Familie größtenteils mit Rohrstuhlflechten, wofür pro Dutzend damals 8 gg. gezahlt wurden.“ 

Durch die Verlegung des Dorfes Köbeln auf die Westseite der Neiße verlängerte sich der Fußweg zwischen beiden Dörfern von einer halben auf eine ganze Stunde. Dieser Anstrengung war der inzwischen bejahrte Schulhalter Günther nicht mehr gewachsen und bat daher um Emeritierung. Nach 26 Jahren ging er für jährlich vier Taler Pension in den Ruhestand und starb am 24. Januar 1847. Seine Witwe verlebte ihre letzten Jahre bis zum Tod 1854 bei ihrem Sohn Friedrich Wilhelm, dem Hüttentischlermeister und Hausbesitzer in Keula. Ihre beiden anderen Söhne waren Gotthelf Christian Immanuel (1809 – 1891), Küster und Schulhalter in Gablenz und Adolph Christian Gotthelf, Tischler und Glasermeister in Muskau. Auch Paul Emil, Sohn des Gablenzer Lehrers Günther, übte später den Lehrerberuf in der Schule von Weißkeißel aus.

 

Lehrer Carl Albert Klintsch

Günthers Nachfolger wurde 1837 Carl Albert Klintsch, der Günther eine jährliche Alters-Unterstützung von vier Talern zahlen musste. Laut Schulchronik soll er aus Kienitz bei Küstrin stammen und sich aufgrund von Familienangelegenheiten in Muskau befunden haben. Dabei kam ihm zu Ohren, dass die Schulhalterstelle Braunsdorf-Köbeln vakant war. Nach dem Erhalt seiner Bewerbung antwortete ihm der Muskauer Superintendent Carl Petzold: „Auf das vortheilhafte Zeugnis des von mir verehrten Königl. Schul-Inspectors Herrn Pastor Eccius zu Letschin“ ist Ihnen eine hier abzulegende Probe, welche mit einer neuen, für Sie kostspieligen Reise verbunden sein würde, erlassen worden.“

An einer anderen Stelle in der Chronik kommt man der Wahrheit um den Schulhalter Carl Albert Klintsch schon etwas näher, indem es heißt: 

„Klintsch, welcher am 27. Januar 1815 zu Münchhausen bei Sonnewalde geboren und seine Ausbildung für Schulfach in Altdöbern genossen, konnte aber die Stelle nicht, wie es gewünscht wurde, zu Michaelis 1837 übernehmen, da er seine Nachprüfung am 23. und 24. Oktober desselben Jahres in Cüstrin zu machen hatte. Nachdem er diese bestanden, traf er am 28. Oktober 1837 in Braunsdorf ein und fing am 1. November die Schule an.“ Warum Klintsch schon im Sommer in Muskau weilte und um welche Familienangelegenheiten es sich hierbei handelte, erklärt das Kirchenbuch. Am 28. November 1837 heiratete er in Muskau Christiane Charlotte, die Tochter des fürstlichen Revierförsters Traugott Schmidt. Zur Person des Bräutigams gibt eine Nebenbemerkung des Pfarrers umfassend Auskunft. 

Als Kind wurde er dem Schullehrer Johann Christian Klintsch in Friedersdorf [heute zu Sonnewalde] bei Doberlugk „von fremden, vornehm scheinenden Leuten, in den ersten Tagen seines Lebens unter annehmlichen Bedingungen, zur Erziehung übergeben.“ Die Fremden nannten ihren Namen nicht, haben „aber gesagt und heilig versprochen, sie würden sich des Kindes stets annehmen, das Nöthige stets darreichen und sich auch an seinen Erziehern noch außerdem dankbar bezeigen. Diese wahrscheinlichen Eltern des Kindes haben sich aber nicht wieder sehen laßen, auch dem Küster Klintsch keine Erziehungsgelder gesendet; so hat denn dieser edle Menschenfreund, sich des verlassnen Kindes, wie seiner eignen Kinder angenommen, ihm nur gute Erziehung gegeben und als dieser Knabe zum Jüngling herangereift war, ihn auf dem Schullehrer-Seminaris zu Alt-Doebern, zum Schulfache bilden laßen, und zwar auf seine eignen Kosten, was Gott ihm reichlich vergelten wolle.“ 

1859 erhielt der Ort Braunsdorf ein neues Schulgebäude mit einer Wohnung für den Schulhalter Klintsch. Die Köbelner Schüler betreute ein Hilfslehrer in der Schulstube auf dem Richtergut Nr. 7, seit 1841 im Besitz des Schulhalters Klintsch. Nachdem es dieses 1859 verkaufte, finanzierte er 1861 auf seiner nun erworbenen Häuslernahrung Nr. 52 den Bau einer neuen Schulstube. Durch den Bau der Richterschen Tuchfabrik 1861 hatte sich die Bevölkerungszahl in Köbeln auf 400 und die Zahl der Schulkinder auf 120 erhöht. Zur endgültigen Trennung der Schulen Braunsdorf und Köbeln mit zwei selbstständigen Lehrerstellen kam es 1876.

Text der Grundsteinlegung 1861

In der Schulchronik befinden sich zwei ziemlich lädierte Blätter, die mutmaßlich am 26. Juli 1861 bei der Grundsteinlegung zur Schulstube in Köbeln als Zeitdokument eingelegt waren. Diese enthalten politische und wirtschaftliche Nachrichten, den Bau der Tuchfabrik und die Getreidepreise, aber auch Informationen zur Lehrerfamilie Klintsch. Als Carl Albert Klintschs Ehefrau 1852 mit nur 35 Jahren in Berlin an einer Operation verstarb, hinterließ sie ihren Ehemann, drei Söhne und eine Tochter. Der 1840 geborene Sohn Paul Theodor ging in Altdöbern denselben Bildungsweg wie sein Vater und stand ihm als Hilfslehrer in Köbeln zu Seite. Das blieb jedoch nur bis zu seiner Hochzeit 1871 mit einer Schankwirtstochter aus Hähnichen. Mit ihr nahm er den Muskauer Gasthof „Schützenhaus“ in Pacht. Sohn Heinrich Theodor arbeitete als Büroassistent in Breslau, Sohn Hermann als Maschinenbauer in Frankfurt an der Oder. Tochter Hermine Bertha Madline heiratete 1861 einen Kaufmann aus Berlin.

Carl Albert Klintsch trug die Last seiner ungeklärten Identität ein Leben lang mit sich. Über das tragische Ende des inzwischen 70-jährigen Lehrers berichtet 1885 der Muskauer Anzeiger. Zuerst vermutete man hinter seinem plötzlichen Verschwinden zu Pfingsten des Jahres eine Auswanderung nach Amerika. Der spätere Fundort seines Leichnams in einem Wald nahe Hamburg legte diese Absicht nahe. Wenn man jedoch den Worten in seinem Abschiedsbrief glauben darf, war er ein zutiefst unglücklicher Mensch und wählte den Freitod.

Aufgrund seines Ablebens mussten sein Hausrat im Schulhaus zu Braunsdorf sowie sein Haus in Köbeln zwangsversteigert werden, um anstehende Gläubiger zu bedienen. 

 

Muskauer Anzeiger, 7. Februar 1883                

 Muskauer Anzeiger, 6. Januar 1886

Muskauer Anzeiger, 27. Mai 1885                          

 

 Muskauer Anzeiger, 27. Juni 1885

Muskauer Anzeiger, 11. Juli 1885

 Muskauer Anzeiger, 1. Juli 1885      

 

Die neue Schule in Köbeln

Endlich lag der Plan zum Neubau eines massiven Schulgebäudes in Köbeln mit einem Kostenanschlag von 16.800 Mark vor. „Am 8. August 1890 wurde unter Leitung des Baumeisters A. Woitschach-Muskau der Grundstein gelegt und einige Tage darauf in die Scheidewand der beiden Klassenzimmer am Nordgiebel eine Urkunde eingelegt.“ „Am Donnerstag den 1. April 1891 geschah die öffentliche Weihung der Erziehungs- und Bildungsstätte.“

Nach der im Dorf Köbeln bislang vorherrschenden Holzbauweise begann mit dem neuen Schulhaus die Ziegelbauarchitektur. „1894 war die Schule das einzige Gebäude in dieser Dorfgegend. Noch im Herbste des Jahres baute der Häusler Traugott Buder neben der Schule ein Wohnhaus nebst Stall.“ Es folgten der frühere Bauer August Jainz mit einem Gehöft neben der Schule, der Zimmermann u. Häusler Paul Lehmann sowie der Häusler August Jurtz. „Nach dem großen Hochwasser 1897 baute in Neiss-Köbeln der Häusler Wilhelm Kepstein neu. […] 1898 baute Fabrikbesitzer Fischer an der Schulstraße für seinen Sohn eine Villa. Im Sommer desselben Jahres erbaute der Häusler Gustav Kepstein sein vom Hochwasser sehr beschädigtes Haus an der Neiße neu auf. 1899 wurde die sehr baufällige Kliemannsche Pfauenschänke neugebaut und auch vergrößert. […] Auch baute Paul Jainz bald darauf am Schulwege sein Mietshaus und Graf Arnim in Alt-Köbeln ein Familienhaus. […] Im Jahr 1900 errichtete Wilhelm Hampo an der Forster Straße sein neues Gebäude, auch baute der Bäckermeister Karl Lehmann zu Muskau an der Forster Straße die Bäckerei, so daß nun Köbeln auch einen Bäcker hatte. Daneben folgte das Gebäude von Mauerer Paul Hentschel, in dem er eine Gastwirtschaft mit Fleischerei einrichtete.“ So rasant veränderte sich Köbeln zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und die Holzhäuser verschwanden langsam aus dem Dorfbild.

Bäckerei Lehmann und Gasthof Hentschel mit Fleischerei in Köbeln, Ansichtskarte 1905

Lehrer Erhardt Liebelt

Erhardt Liebelt, geboren am 4. November 1884 in Gröditsch Kreis Lübben, trat am 1. Oktober 1908 seinen Dienst als erster Lehrer an. So fühlte er sich auch für die Weiterführung der Chronik verantwortlich und übernahm zusätzlich die Ortschronik des Dorfes Köbeln. 

Wie im 20. Jahrhundert Inflation, Schulausfall, Hunger, Tod und Entbehrung als Ergebnisse beider Weltkriege das Leben der Einwohner und ihrer Kinder dominierten, zeigt die Chronik beeindruckend. Wetterphänomene und Hochwasserereignisse, die besonders die in der Neißeniederung gelegenen Gehöfte immer wieder beschädigten, sind mit Fotos ebenfalls Teil der Beschreibungen. Alle neu herausgegebenen Zahlungsmittel hatte Lehrer Liebelt sorgsam in die Chronik eingeheftet.

Stundenplan 1914                                                                                Zuteilungskarten von 1921         

 

Notgeld, Inflationsgeld und Scheidemünze aus den Jahren 1914 bis 1922

 

Rundfunkübertragung, 1934                   

Erweiterungsbau der Schule Köbeln

1936 erfolgte ein Anbau am Schulgebäude in Köbeln, bei dem zwei neue Klassenräume, ein Flur mit Kleiderablage und ein Lehrmittelzimmer entstanden. Seit dem 16. November 1936 verfügte Köbeln über eine eigene Fortbildungsschule für Mädchen, in der sie Unterricht in Handarbeit, Hauswirtschaft, Säuglingspflege und in nationalsozialistischer Weltanschauung erhielten. Lehrer Liebelt ist es zu verdanken, dass die Chronik eine 22-seitige „Übersicht über die im August 1939 vorhandenen Haushaltungen“ enthält. Diese beinhaltet alle Einwohner mit Namen, Geburtsdatum, Beruf, Kinderzahl, Straße mit Hausnummer sowie deren Stellung in der Familie. Zusätzlich kennzeichnete er die Trägerinnen des „Ehrenkreuzes der Mütter“ mit einem roten „E“, die diese Auszeichnung aufgrund der Vorgaben ab fünf Kinder erhielten. Liebelt beteiligte sich in den 1930er Jahren bei Sammelaktionen des Winterhilfswerks und übernahm die Stelle als „erster Zellenwart der NSV“ – Nationalsozialistische Volkswohlfahrt – im Ort Köbeln. Die Schulkinder befassten sich nach dem Unterricht und in den Ferien je nach Jahreszeit mit dem Sammeln von Pilzen, Beeren und Heilkräutern, von Schrott, Knochen, Papier und sogar von Laub für die Viehfütterung in der Landwirtschaft. Auch im Zweiten Weltkrieg kam es zur Zuteilung von Lebensmitteln wie Brot, Mehl, Kartoffeln, Fleisch. Da es auch Kohle auf Zuteilung gab und die Lehrer zum Kriegsdienst herangezogen wurden, kam es in den Folgejahren zu Unterrichtsausfall.

Wochenration 3. bis 9. September 1939     

 

Einführung der Normalschrift, 1. Dezember 1941.

Als ab 1. Dezember 1941 die „deutsche Normalschrift“ eingeführt wurde, änderte Lehrer Liebelt auch seine Schrift in der Chronik. Zu den letzten Eintragungen gehören Informationen über Kinder von Flüchtlingsfamilien, die ab Januar 1945 die Schule in Köbeln besuchten. Es waren sogenannte Volksdeutsche aus Temesvar im damals rumänischen Banat sowie geborene Letten aus Riga. Am 25. Januar musste das 2. Klassenzimmer zur Einquartierung geräumt werden, denn „es kamen 400 meist aus Breslau evakuierte Personen“ an. Im selben Raum campierten später 40 Soldaten für eine Nacht, bevor sie Richtung Magdeburg weiterzogen. Inzwischen war der Schulunterricht schon gänzlich eingestellt. Mit dieser Mitteilung durch Lehrer Erhardt Liebelt, kurz vor dem Aufruf zum Verlassen des Dorfes, endet die Schulchronik.

 

 

Quellen:

Chronik der Schule zu Köbeln 1765 bis 1945.

Kirchenbücher der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bad Muskau-Gablenz.

 

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